Pay-per-Sale (PPS)
Definition: Pay-per-Sale (PPS) ist das am weitesten verbreitete Affiliate-Vergütungsmodell bei dem der Publisher eine Provision erhält sobald ein von ihm vermittelter Nutzer einen Kauf erfolgreich abgeschlossen hat. Zwei Varianten: (1) Prozentuale Provision: Prozentsatz des Netto-Bestellwerts (typisch 2–20 % je nach Branche); (2) Flat-Rate: fixer Betrag je Sale unabhängig vom Bestellwert. Provision wird ausgelöst durch: Conversion-Pixel-Event oder S2S-Postback nach bestätigtem Kauf; Provision geht an Publisher mit aktivem Affiliate-Cookie (Last-Click-Standard). Validierungsperiode: Provision gilt als «confirmed» erst nach Ablauf der Rückgabefrist des Merchants (typisch 30–90 Tage); innerhalb dieser Zeit kann Merchant Provision stornieren bei Retoure, Stornierung oder Betrugsfall. PPS ist für Merchants das risikoärmste Modell: Provision fällt nur bei tatsächlichem Umsatz an.
Erläuterung
PPS ist das Herzstück des klassischen E-Commerce-Affiliate-Marketings: Merchant zahlt nur bei Erfolg, Publisher trägt das Risiko für Traffic-Qualität und Conversion. Die prozentuale PPS-Provision hat den Vorteil dass Publisher automatisch an höherwertigen Warenkörben stärker beteiligt sind – ein natürlicher Anreiz zur Qualitäts-Steigerung.
Provisionsmodelle und Branchenbenchmarks
- Elektronik und Technik: Niedrige Margen → niedrige Provisionen; typische PPS-Rate: 1–4 %; Ausnahmen: Nischen-Elektronik mit höheren Margen (Audiophile-Produkte: bis 8 %); Amazon-Provisionen für Elektronik: 1,5–3 %; Flat-Rate in Elektronik selten da Warenkörbe zu variabel; EPC trotz niedriger Rate durch hohen Ø-Warenkorb (€200+) vertretbar
- Mode und Fashion: Mittlere Margen → mittlere Provisionen; typisch 5–15 % des Bestellwerts; Herausforderung: hohe Retourenquote (30–50 % im Fashion-Bereich) → Netto-EPC deutlich unter Brutto-EPC; saisonale Provisions-Anpassungen (Sale-Periode: oft niedrigere Rate auf reduzierte Ware); Zalando Partnerprogramm: 5–12 % je Kategorie
- Software und SaaS: Hohe Margen → hohe Provisionen; digitales Produkt hat fast keine Grenzkosten; PPS-Raten: 20–50 % des Kaufpreises bei Einmal-Lizenzen; Recurring-Software: oft Kombination PPS (Erst-Sale) + RevShare (Folgeperioden); Antivirus/Security: €10–€40 je Jahres-Abo; Cloud-Storage, VPN: €15–€50 je Abschluss
- Reise und Unterkunft: Booking.com/Hotels.com: 3–6 % der Buchungssumme; Flüge: oft €5–€20 Flat-Rate (niedrige Margen); Mietwagen: 5–10 %; Reise-EPC sehr saisonal (Sommer- und Weihnachtsreisezeit: 3× höher als Nebensaison); lange Validierungsperiode weil Buchung oft Monate vor Reisedatum
Storno-Abzüge und Netto-EPC
- Storno-Mechanismus: Wenn Nutzer Kauf zurückgibt oder storniert: Merchant meldet Storno ans Netzwerk; Provision wird vom Publisher-Konto abgezogen; Storno-Rate variiert stark: Elektronik 5–15 %, Mode 25–50 %, Reise 3–10 % (je nach Stornobedingungen); negative Provision möglich wenn Storni die neuen Provisionen übersteigen (bei Monatssaldo-Berechnung)
- Netto-EPC berechnen: Brutto-EPC = Provision × Gesamt-CVR; Netto-EPC = Brutto-EPC × (1 - Storno-Rate); Beispiel Mode: 8 % Provision × 2 % CVR × €80 Ø-Warenkorb = €0,128 Brutto-EPC; 40 % Storno → €0,128 × 0,60 = €0,077 Netto-EPC; tatsächlicher EPC im Dashboard nach Validierungsperiode lesen und mit eigenem Netto-EPC vergleichen
- Storno-Rate als Programm-Bewertungskriterium: Hohe Storno-Rate kann auf Merchant-seitige Probleme hindeuten (Produktqualität, Lieferprobleme) oder auf Publisher-Traffic der nicht kaufabsichts-affin ist; vergleichen Sie Storno-Rate mit Netzwerk-Durchschnitt für die Branche; Publisher-Recht: bei ungewöhnlich hoher Storno-Rate Erklärung vom Merchant fordern
Provisionsverhandlung und Performance-Boni
- Wann verhandeln? Ab 50+ Sales/Monat für einen Merchant: Verhandlungsbasis; individuelle Konditionen möglich (höherer Provisionssatz als Standard, Verlängerung der Cookie-Laufzeit, Exklusiv-Aktionen); Netzwerk-Provision vs. individuelle Publisher-Vereinbarung: manche Merchants bieten in Netzwerk niedrige Standard-Rate an und belohnen Top-Publisher direkt separat
- Tiered Commission: Gestaffelte Provision nach Volumen: 1–20 Sales → 6 %, 21–100 Sales → 8 %, 100+ Sales → 10 %; motiviert Publisher zum Wachstum; transparente Kommunikation durch Merchant notwendig; im AWIN Commission Groups Feature konfigurierbar
- Saisonale Provisions-Boosts: Merchant erhöht Provision temporär für Q4 (Black Friday/Weihnachten) um Publisher-Investment zu motivieren; Beispiel: regulär 5 %, November–Dezember 8 %; Publisher investiert mehr Content/Traffic in das Programm; Win-Win wenn Mehrumsatz die erhöhten Provisions-Kosten übersteigt