Brand Naming
Definition: Brand Naming bezeichnet den systematischen strategischen Prozess der Entwicklung und Auswahl eines Markennamens für ein neues Produkt, eine Dienstleistung oder ein Unternehmen. Es ist eine Disziplin die linguistische, psychologische, strategische und rechtliche Aspekte vereint. Ein guter Markenname ist einprägsam, aussprechbar, unterscheidungskräftig, schutzfähig und strategisch passend zur Markenpositionierung. Naming-Typen: Deskriptive Namen (beschreiben was die Marke tut: YouTube, Booking.com) – leicht zu verstehen aber schwer zu schützen; Erfundene Namen (Neologismen ohne Bedeutung: Kodak, Xerox, Häagen-Dazs) – maximal schutzfähig aber erfordern mehr Kommunikationsaufwand; Metaphorische Namen (beziehen sich auf etwas anderes: Amazon, Apple, Virgin) – stark in Assoziationsübertragung; Patronyme (Gründernamen: Ford, Porsche, Dell) – authentisch aber schlecht skalierbar international; Akronyme (IBM, H&M, BMW) – effizient aber ohne intrinsische Bedeutung.
Erläuterung
Der Markenname ist das am häufigsten genannte und erinnerte Markenelement – er erscheint auf jedem Touchpoint und wird in jeder Empfehlung verwendet. Ein schlecht gewählter Name ist fast unmöglich zu korrigieren ohne massive Investitionen. Professionelles Brand Naming ist damit eine der wichtigsten Vorabinvestitionen in den Markenerfolg.
Naming-Typen und strategische Wahl
- Deskriptive Namen (Functional Names): Beschreiben direkt was Marke tut oder verkauft; Vorteil: sofortiges Verständnis, kein Kommunikationsaufwand für Erklärung; Nachteil: schwer markenrechtlich zu schützen (generische Begriffe nicht eintragbar); Beispiele: YouTube, Booking.com, Zalando (klangorientiert mit funktionaler Nähe)
- Erfundene Namen (Invented/Freestanding): Vollständige Neologismen ohne existierende Bedeutung; Kodak (1888: Eastman wollte etwas einprägsames mit K-Laut), Xerox, Häagen-Dazs (erfundene skandinavisch klingende Bezeichnung); Vorteil: maximale Schutzfähigkeit, klare Markenbotschaft möglich; Nachteil: höhere Kommunikationsinvestitionen nötig
- Metaphorische Namen: Transfer von Eigenschaften aus anderem Bereich; Amazon: größter Fluss der Welt → unbegrenzte Auswahl; Apple: einfach, menschlich, zugänglich (im Kontrast zu technischen Konkurrenten 1977); Virgin: unerfahren in der Branche, frisch, herausfordernd; Nike: griechische Siegesgöttin; Vorteil: reiches Assoziationsfeld das Markenpersönlichkeit trägt
- Digitale Naming-Kriterien: .com-Domain verfügbar (oder .de/.io als Alternative); keine schwierigen Schreibweisen die in Search zu Fehlern führen; Social-Media-Handle verfügbar auf relevanten Plattformen; SEO-Potenzial: nicht zu generisch (schwer rankbar) und nicht zu speziell (kein Suchvolumen); Aussprache in Sprachassistenten funktioniert
Der professionelle Naming-Prozess
- Schritt 1 – Strategisches Briefing: Markenpositionierung, Zielgruppe, Markenpersönlichkeit dokumentieren; Ausschlusskriterien definieren (z.B. keine Akronyme, keine Tier-Namen, keine schwer aussprochenen Namen); Wettbewerbsumfeld analysieren: welche Namenskonventionen dominieren die Branche? (Differenzierung vs. Kategoriekonformität); internationaler Einsatz geplant?
- Schritt 2 – Ideation (500+ Namen generieren): Brainstorming über mehrere Sessions mit diversen Teilnehmern; Wortstämme, Metaphern, Sprachmischungen, Abwandlungen, Akronyme; KI-Tools (ChatGPT, Claude, Namelix) für Quantität; professionelle Naming-Agenturen (Landor, Siegel+Gale, Igor Naming Agency) für Qualität; Ziel: breite Masse die dann gefiltert wird
- Schritt 3 – Filterung und Bewertung: Kriterienraster: strategische Passung, Einprägsamkeit, Aussprache, kulturelle Neutralität, Differenzierung; auf 20–30 Kandidaten reduzieren; Klang-Test: laut aussprechen, in verschiedenen Kontexten verwenden («Ich habe bei X bestellt» / «Rufen Sie X an»)
- Schritt 4 – Rechtliche Vorabprüfung: Markenrechtsrecherche beim DPMA (Deutschland), EUIPO (Europa) und USPTO (USA) für geplante Märkte; Klassenanmeldung klären (Nizza-Klassifikation); Domain-Verfügbarkeit prüfen; Social-Media-Handle-Verfügbarkeit; Vorab-Rechtscheck vor finaler Auswahl – nicht nach Veröffentlichung
- Schritt 5 – Zielgruppentest: Quantitativer Test mit Zielgruppe: Einprägsamkeit, Sympathie, Assoziationen, wahrgenommene Qualität; Kulturtest für internationale Märkte: keine unbeabsichtigten negativen Bedeutungen; Chevy Nova-Legende (wird in Spanien nicht angeblich als «fährt nicht» verstanden – aber vorsichtig sein)
Häufige Fehler und internationale Aspekte
- Häufige Naming-Fehler: Rechtsprüfung zu spät: Name öffentlich kommuniziert bevor Markenrecht gesichert; zu ähnlich zu Wettbewerbern (Verwechslungsgefahr); schwierige Schreibweise die in Search-Queries zu Fehlern führt; Namen die in anderen Sprachen negative Bedeutungen haben; Domain nicht gesichert
- Internationale Sensibilität: Klang-Check in allen Zielländern (Phonetik, negative Assoziationen); Schrift-Check (lateinisch vs. andere Schriftsysteme); Bedeutungs-Check: Mitsubishi Pajero in Spanien («Wichser»); Nokia Lumia in Spanien (Slang für Prostituierte); professionelle Muttersprachler in Zielländern einbinden