Marketing Glossar

2.413 Fachbegriffe aus 22 Bereichen des Online Marketings

Flesch-Kincaid-Index

Definition: Der Flesch-Kincaid-Index (Flesch Reading Ease Score) ist ein statistisches Verfahren zur quantitativen Messung der Lesbarkeit von Texten – basierend auf durchschnittlicher Satzlänge und durchschnittlicher Silbenanzahl pro Wort – und ergibt einen numerischen Score zwischen 0 (extrem schwer lesbar) und 100 (sehr leicht lesbar). Formel (Englisch): FRE = 206.835 − (1.015 × Durchschnittliche Satzlänge in Wörtern) − (84.6 × Durchschnittliche Silbenanzahl pro Wort). Score-Interpretation: 90–100 = sehr leicht (Grundschule); 70–80 = leicht (8. Klasse); 60–70 = mittelschwer (Schulabschluss); 50–60 = schwer (Universität); 30–50 = sehr schwer (akademisch); 0–30 = extrem schwer (Fachliteratur). Ziel für Web-Content: 60–70 gilt als angemessen für allgemeinen Blog-Content; höher für B2C-Ratgeber, niedriger für Fachpublikum akzeptabel.

Erläuterung

Der Flesch Reading Ease Score wurde 1948 von Rudolf Flesch entwickelt: Flesch, ein österreichisch-amerikanischer Schreibberater und Autor von «The Art of Plain Talk» (1946), arbeitete für Associated Press und entwickelte die Formel um die Verständlichkeit journalistischer Texte zu messen und zu verbessern. Sein Ziel war die Demokratisierung verständlicher Kommunikation – ein Anliegen das er in «The Art of Plain Talk» und «The Art of Readable Writing» (1949) beschrieb. J. Peter Kincaid adaptierte 1975 die Formel für das US-Militär in den «Kincaid-Lesbarkeitsformeln» (Navy Personnel Research and Development Center) um Militär-Handbücher auf angemessenem Leseverständnis-Niveau zu kalibrieren – woraus die heute bekannte «Flesch-Kincaid Grade Level»-Formel entstand. Für deutsche Texte wurde eine angepasste Formel benötigt: Wilhelm Tschichold und später Luise Amstad (1978, «Wie verständlich sind unsere Zeitungen?») entwickelten deutsche Lesbarkeits-Adaptionen; die «Wiener Sachtextformel» (WSTF, Josef Langer/Wolfgang Schulz/Maria Strommer, 1978) ist heute die gebräuchlichste deutschsprachige Lesbarkeitsformel die in Yoast SEO für deutschsprachige Content verwendet wird. Yoast SEO-Plugin (WordPress, 5+ Mio. Installationen) integriert die Lesbarkeitsanalyse direkt in das CMS-Workflow und hat den Flesch-Score damit für Millionen Content-Creator zum Standard-QA-Tool gemacht.

Score-Interpretation und Zielwerte nach Content-Typ

Lesbarkeits-Optimierung: Praktische Hebel

Flesch und SEO: Direkte und indirekte Wirkung

Praxistipp: Nutzen Sie den Flesch-Kincaid-Score (oder die Wiener Sachtextformel für Deutsch) als Orientierungswert im QA-Prozess – nicht als absolutes Ziel. Ein B2B-Whitepaper für CTOs darf einen Score von 40 haben; ein Ratgeberartikel für Einsteiger sollte ≥65 anstreben. Der praktisch wichtigste Hebel ist die Satzlänge: lange Schachtelsätze (>30 Wörter) sind in fast jedem Kontext verzichtbar und können aufgeteilt werden ohne Bedeutungsverlust. Integrieren Sie die Yoast-Lesbarkeitsampel in Ihren Pre-Publish-Workflow – «rot» bedeutet nicht automatisch schlechten Text, aber es ist ein Signal für einen zweiten Blick auf Satz- und Satzkonstruktion.