Marketing Glossar

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Stichprobengröße

Definition: Die Stichprobengröße im CRO-A/B-Test bezeichnet die Anzahl der Besucher die jede Testvariante erhalten muss, damit das Experiment mit einer definierten statistischen Teststärke (Power) einen realistischen Mindesteffekt (Minimum Detectable Effect, MDE) zuverlässig nachweisen kann. Bestimmende Faktoren: Baseline-Conversion-Rate (p₁): je niedriger, desto mehr Stichprobe erforderlich; Minimum Detectable Effect (MDE): der kleinste relative Uplift der betriebswirtschaftlich relevant ist; je kleiner der MDE, desto größer die erforderliche Stichprobe; Signifikanzniveau α: üblich 0,05; bei α = 0,01 (99% Konfidenz) um 56% größere Stichprobe; Teststärke (Power = 1 − β): üblich 80% (β = 0,20); bei 90% Power um 27% größere Stichprobe als bei 80%; Varianzen der Messgröße: CVR hat geringere Varianz als RPV; RPV-Tests benötigen 2–4× mehr Stichprobe. Grundformel (Zwei-Proportionen-z-Test): n = (z_α/2 + z_β)² × (p₁(1−p₁) + p₂(1−p₂)) / (p₁−p₂)²; bei α = 0,05 und Power 80%: z_α/2 = 1,96; z_β = 0,84; (z_α/2 + z_β)² ≈ 7,85. Testlaufzeit-Berechnung: Laufzeit (Tage) = (2 × n) / täglicher Unique-Traffic der Testseite; Mindestlaufzeit: 2 vollständige Kalenderwochen um Wochentags-Saisonalität zu erfassen.

Erläuterung

Die formale Herleitung der Stichprobengrößenformel für A/B-Tests stammt aus der klassischen Hypothesentest-Theorie: Jerzy Neyman und Egon Pearson («On the Use and Interpretation of Certain Test Criteria», Biometrika, 1928; «On the Problem of the Most Efficient Tests of Statistical Hypotheses», 1933) formalisierten die Konzepte von α-Fehler (Typ I), β-Fehler (Typ II) und Teststärke (Power) die heute alle Stichprobenkalkulationen für A/B-Tests fundieren. Jacob Cohen (New York University; «Statistical Power Analysis for the Behavioral Sciences», 1969; zweite Auflage 1988) popularisierte die Power-Analyse für Nicht-Statistiker und etablierte die konventionellen Schwellenwerte: Power ≥ 0,80 und α = 0,05. In der CRO-Praxis machte Evan Miller («How Not To Run An A/B Test», 2010; Evan Miller Sample Size Calculator, 2011) die Stichprobenberechnung für A/B-Tests erstmals öffentlich mit einem einfachen Online-Tool zugänglich das nur drei Eingaben erfordert: Baseline-CVR, MDE, und Signifikanzniveau. Ron Kohavi, Diane Tang und Ya Xu («Trustworthy Online Controlled Experiments», Cambridge University Press, 2020) dokumentierten in einer Auswertung von Tausenden internen Experimenten bei Microsoft, Amazon und Airbnb dass der Median-Uplift in A/B-Tests typischerweise unter 10% relativer CVR-Änderung liegt – was bedeutet dass MDE-Annahmen von 20%+ in der Stichprobenplanung systematisch zu klein geplante Tests erzeugen. Microsoft Research publizierte mit CUPED (Controlled-experiment Using Pre-Experiment Data; Deng et al., KDD 2013) eine Varianzreduktionsmethode die durch Verwendung von Nutzerverhalten vor dem Test als Kovariate die erforderliche Stichprobengröße um typischerweise 30–50% reduziert – ohne statistische Validität zu kompromittieren. Mehrere führende Experimentation-Teams (Booking.com, Airbnb, Netflix) integrieren CUPED als Standard in ihre Testing-Infrastruktur, was bei konstantem Traffic die effektive Test-Kapazität substanziell erhöht.

Stichprobengrößen-Tabellen und Berechnungsbeispiele

Niedrig-Traffic-Strategien und MVT-Stichprobenprobleme

Praxistipp: Erstellen Sie eine einfache Entscheidungsmatrix für Stichprobenplanung: tragen Sie in einer Google-Sheets-Tabelle Ihre Baseline-CVR (aus GA4) und den verfügbaren Monats-Traffic ein und berechnen Sie für MDE-Werte von 5%, 10%, 15%, 20%, 25% und 30% die erforderliche Laufzeit. Dann markieren Sie rot alle Zeilen wo die Laufzeit mehr als 8 Wochen beträgt – diese Tests sind bei Ihrem aktuellen Traffic-Niveau nicht valide durchführbar. Fokussieren Sie sich ausschließlich auf Tests, die innerhalb von 3–6 Wochen abschließbar sind. Wenn kein einziger Test grün markiert ist, wechseln Sie vorübergehend von Purchase-CVR auf Add-to-Cart-CVR als Zielmetrik: die höhere Baseline-Rate reduziert den Stichprobenbedarf um typischerweise 60–75%.