Marketing Glossar

2.413 Fachbegriffe aus 22 Bereichen des Online Marketings

Privacy by Default

Definition: Privacy by Default (deutsch: Datenschutz durch datenschutzfreundliche Voreinstellungen) ist ein in Art. 25 Abs. 2 der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verankertes Prinzip, das verlangt, dass der Verantwortliche geeignete technische und organisatorische Maßnahmen trifft, die sicherstellen, dass durch Voreinstellung nur personenbezogene Daten verarbeitet werden, deren Verarbeitung für den jeweiligen bestimmten Verarbeitungszweck erforderlich ist. Dies gilt für die Menge der erhobenen personenbezogenen Daten, den Umfang ihrer Verarbeitung, ihre Speicherfrist und ihre Zugänglichkeit. Insbesondere dürfen solche Voreinstellungen nicht dazu führen, dass personenbezogene Daten einer unbestimmten Zahl von natürlichen Personen zugänglich gemacht werden. Das Prinzip bedeutet konkret: Ein Nutzer muss nicht aktiv tätig werden, um ein datenschutzkonformes Schutzniveau zu erreichen — dieses Schutzniveau ist von vornherein der Standard. Nur wenn ein Nutzer aktiv und informiert einer weitergehenden Datenverarbeitung zustimmt, darf diese stattfinden. Privacy by Default ist damit ein strukturelles Schutzgebot, das Verantwortliche zwingt, ihre Systeme und Prozesse von Grund auf datenschutzorientiert zu gestalten.

Erläuterung

Privacy by Default ist eng mit dem Schwesterprinzip Privacy by Design verbunden, unterscheidet sich davon jedoch in einem wesentlichen Punkt: Während Privacy by Design den Datenschutz als Grundsatz in die Architektur von Systemen einbettet, bezieht sich Privacy by Default konkret auf die Konfiguration und Voreinstellung eines fertigen Systems zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme und der tatsächlichen Nutzung.

Im Online-Marketing hat Privacy by Default weitreichende praktische Konsequenzen. Das prominenteste Anwendungsfeld ist die Gestaltung von Cookie-Bannern und Consent-Management-Plattformen. Eine datenschutzfreundliche Voreinstellung bedeutet hier: Alle nicht technisch notwendigen Cookies und Tracking-Technologien sind standardmäßig deaktiviert. Nutzende müssen aktiv zustimmen, bevor Analyse-, Marketing- oder Personalisierungs-Cookies gesetzt werden. Vorausgefüllte Häkchen, dunkel gefärbte Ablehnungsschaltflächen oder Formulierungen, die das Ablehnen erschweren (sogenannte Dark Patterns), verstoßen gegen das Privacy-by-Default-Gebot und wurden von mehreren europäischen Datenschutzbehörden mit erheblichen Bußgeldern geahndet.

Darüber hinaus betrifft Privacy by Default auch die Datenmenge und die Zugriffsberechtigungen innerhalb von Systemen. Eine App, die standardmäßig auf alle Gerätekontakte, die Kamera und den Standort zugreift, obwohl dies für die Kernfunktion nicht erforderlich ist, verletzt das Prinzip ebenso wie ein CRM-System, das neuen Nutzerinnen und Nutzern standardmäßig weitreichende Leserechte auf alle Kundendaten einräumt. Das Prinzip der Datensparsamkeit (Datenminimierung, Art. 5 Abs. 1 lit. c DSGVO) und das Prinzip der Zweckbindung sind dabei eng mit Privacy by Default verknüpft.

Die Datenschutzkonferenz der deutschen Aufsichtsbehörden (DSK) sowie der Europäische Datenschutzausschuss (EDSA) haben in mehreren Orientierungshilfen klargestellt, dass Privacy by Default nicht als bloße Formalie zu verstehen ist, sondern ein echtes strukturelles Schutzgebot darstellt, dessen Einhaltung aktiv nachgewiesen werden muss.

Anforderungen an Privacy-by-Default-Systeme

Privacy by Default vs. Privacy by Design

Praxistipp: Prüfen Sie Ihren Cookie-Banner mit einem unvoreingenommenen Blick: Sind alle nicht technisch notwendigen Cookies wirklich standardmäßig deaktiviert? Sind die Schaltflächen für Zustimmung und Ablehnung gleichwertig gestaltet? Führen Sie regelmäßige technische Audits durch, um sicherzustellen, dass keine Tracking-Skripte vor der Einwilligung geladen werden. Bei der Einführung neuer Marketing-Tools sollte Privacy by Default als verbindliches Abnahmekriterium im Projektprozess verankert sein.