Marketing Glossar

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Privacy by Design

Definition: Privacy by Design (deutsch: Datenschutz durch Technikgestaltung) ist ein in Art. 25 Abs. 1 der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verankertes Prinzip, das verlangt, dass der Verantwortliche sowohl zum Zeitpunkt der Festlegung der Mittel für die Verarbeitung als auch zum Zeitpunkt der eigentlichen Verarbeitung geeignete technische und organisatorische Maßnahmen trifft, um die Datenschutzgrundsätze wirksam umzusetzen und die notwendigen Garantien in die Verarbeitung aufzunehmen. Datenschutz soll demnach nicht als nachträglicher Aufwand betrachtet werden, der erst kurz vor dem Launch eines Produkts oder Systems berücksichtigt wird, sondern als integraler Bestandteil der gesamten Konzeptionsphase, der Systemarchitektur, der Prozessgestaltung und der Auswahl der eingesetzten Technologien. Das Konzept geht auf die kanadische Datenschutzexpertin Ann Cavoukian zurück, die es in den 1990er Jahren als sieben Grundprinzipien formulierte und damit einen Paradigmenwechsel im Datenschutzdenken anstieß: von der reaktiven Compliance hin zur proaktiven, präventiven Verantwortung. Mit der DSGVO wurde Privacy by Design 2018 erstmals verbindliches europäisches Recht, was Unternehmen zwingt, datenschutzrechtliche Anforderungen von der ersten Idee eines neuen Produkts oder Prozesses an zu berücksichtigen.

Erläuterung

Privacy by Design stellt einen fundamentalen Wandel im Umgang mit Datenschutz dar. Klassisch wurde Datenschutz als Bremse betrachtet, die am Ende eines Entwicklungsprozesses angelegt wird und Innovationen verlangsamt. Das Privacy-by-Design-Prinzip kehrt diese Logik um: Datenschutz wird als Designmerkmal verstanden, das von Anfang an zu besseren, sichereren und vertrauenswürdigeren Produkten führt.

Ann Cavoukians sieben Grundprinzipien — proaktiv statt reaktiv, Datenschutz als Standard, Datenschutz eingebettet ins Design, volle Funktionalität, Ende-zu-Ende-Sicherheit, Sichtbarkeit und Transparenz sowie Respekt vor dem Nutzer — bilden nach wie vor die konzeptionelle Grundlage für die Umsetzung von Privacy by Design in der Praxis. Diese Prinzipien finden sich auch in den Erwägungsgründen und den Regelungen der DSGVO wieder.

Im Online-Marketing und der digitalen Produktentwicklung bedeutet Privacy by Design konkret, dass bei der Auswahl von Analytics-Tools, beim Aufbau von CRM-Systemen, bei der Gestaltung von Checkout-Prozessen und beim Einsatz von Werbetechnologie von Anfang an gefragt wird: Welche Daten werden wirklich benötigt? Welche Daten können von vornherein vermieden werden? Wie können Daten strukturell vor unbefugtem Zugriff geschützt werden? Wie lassen sich Betroffenenrechte technisch einfach umsetzen? Diese Fragen sollten nicht erst bei der Abnahme, sondern bereits im Backlog, im technischen Konzept und in der Systemarchitektur beantwortet werden.

Praktische Umsetzungsformen von Privacy by Design umfassen unter anderem die konsequente Anwendung des Datenminimierungsprinzips beim Datenbankdesign, den Einsatz von Pseudonymisierung und Verschlüsselung als architekturelle Standards, die technische Implementierung von Löschfristen und -routinen sowie die frühzeitige Durchführung von Datenschutz-Folgenabschätzungen bei risikoträchtigen Verarbeitungen.

Die sieben Grundprinzipien nach Cavoukian

Privacy by Design in der Marketingpraxis

Praxistipp: Verankern Sie Privacy by Design als verbindliches Kriterium in Ihrem Projektmanagement-Prozess. Führen Sie bei jedem Projekt, das personenbezogene Daten verarbeitet, eine kurze Datenschutz-Checkliste bereits in der Konzeptphase durch. Binden Sie den Datenschutzbeauftragten frühzeitig ein — nicht erst kurz vor dem Launch. Bedenken Sie: Eine nachträgliche Anpassung eines Systems an Datenschutzanforderungen kostet erfahrungsgemäß ein Vielfaches der Kosten, die entstehen, wenn Datenschutz von Anfang an mitgedacht wird.