Marketing Glossar

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Verschlüsselung im Datenschutz

Definition: Verschlüsselung ist ein kryptografisches Verfahren, bei dem Daten mithilfe eines mathematischen Algorithmus und eines Schlüssels in eine unleserliche Form (Chiffrat) umgewandelt werden, die ohne den korrekten Entschlüsselungsschlüssel nicht lesbar ist. Im Datenschutzrecht ist Verschlüsselung in Art. 32 Abs. 1 lit. a DSGVO ausdrücklich als geeignete technische Schutzmaßnahme zur Gewährleistung der Datensicherheit genannt. Die DSGVO schreibt keine konkrete Verschlüsselungsmethode vor, verlangt aber, dass Unternehmen dem Stand der Technik entsprechende Maßnahmen ergreifen, um ein angemessenes Schutzniveau für personenbezogene Daten zu gewährleisten. Im Online-Marketing-Kontext ist Verschlüsselung in zwei Dimensionen relevant: erstens als Schutz von Daten bei der Übertragung (Transportverschlüsselung, z. B. HTTPS/TLS für Website-Verbindungen und E-Mail-Übertragung) und zweitens als Schutz von gespeicherten Daten (Datenverschlüsselung im Ruhezustand, englisch: encryption at rest). Verschlüsselung hat darüber hinaus direkte Auswirkungen auf die Meldepflicht bei Datenschutzverletzungen: Wenn verschlüsselte Daten in die falschen Hände geraten und der Entschlüsselungsschlüssel nicht kompromittiert wurde, muss möglicherweise keine Meldung an Betroffene erfolgen (Art. 34 Abs. 3 lit. a DSGVO), da das Risiko für die Betroffenen als gering eingestuft wird.

Erläuterung

Die Verpflichtung zur Implementierung angemessener Sicherheitsmaßnahmen ergibt sich aus Art. 32 DSGVO. Die Angemessenheit wird anhand mehrerer Faktoren beurteilt: dem Stand der Technik, den Implementierungskosten, der Art, dem Umfang, den Umständen und den Zwecken der Verarbeitung sowie der Eintrittswahrscheinlichkeit und Schwere des Risikos für die betroffenen Personen. Je sensibler die verarbeiteten Daten (z. B. Zahlungsdaten, Gesundheitsdaten, Zugangsdaten), desto höher sind die Anforderungen an die Verschlüsselungsmaßnahmen.

Die Transportverschlüsselung mittels TLS (Transport Layer Security) ist heute der absolute Mindeststandard für jede Website, die Nutzerdaten erhebt. Websites ohne HTTPS sind nicht nur ein Sicherheitsrisiko, sondern werden von Browsern aktiv als „nicht sicher" markiert, was das Vertrauen der Nutzer untergräbt und seit 2018 auch ein Ranking-Faktor in der Google-Suche ist. Formulare zur Dateneingabe (Login, Kontaktformulare, Bestellprozesse, Newsletter-Anmeldungen) auf unverschlüsselten Verbindungen stellen einen klaren Datenschutzverstoß dar.

Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2E-Verschlüsselung) geht noch einen Schritt weiter: Hier werden Daten so verschlüsselt, dass nur Sender und Empfänger die Inhalte lesen können, nicht aber Zwischeninstanzen wie Server-Betreiber. Für geschäftliche Kommunikation mit sensiblen Inhalten (z. B. Übermittlung von Kundendaten an Partner) empfiehlt sich der Einsatz von E2E-verschlüsselten Kommunikationswegen.

Datenverschlüsselung at rest schützt gespeicherte Daten auf Festplatten, in Datenbanken und Cloud-Speichern vor unbefugtem Zugriff – insbesondere bei Diebstahl von Hardware oder unbefugtem Zugriff auf Speichersysteme. Professionelle Cloud-Anbieter bieten Encryption at Rest standardmäßig an; bei eigenen Servern oder lokalen Backups muss dies explizit konfiguriert werden.

Pseudonymisierung ist eine verwandte, aber schwächere Maßnahme: Dabei werden personenbezogene Daten so verändert, dass sie ohne Hinzuziehung einer separaten Zuordnungstabelle nicht mehr einer bestimmten Person zugeordnet werden können. Anders als bei der Anonymisierung (vollständiger und irreversibler Personenbezug wird entfernt) bleiben pseudonymisierte Daten nach DSGVO weiterhin personenbezogene Daten. Sie bieten jedoch ein erhöhtes Schutzniveau und können die Bußgeldrisiken im Falle von Datenpannen mindern.

Verschlüsselungsformen und ihre Anwendung im Marketing

Verschlüsselung und Datenpannen-Management

Praxistipp: Stellen Sie sicher, dass Ihre gesamte Website und alle Formulare HTTPS verwenden und kein Mixed-Content (unverschlüsselte Elemente auf verschlüsselten Seiten) vorhanden ist. Prüfen Sie bei jedem Cloud-Dienst für das Marketing explizit, ob Daten sowohl bei der Übertragung als auch im Ruhezustand verschlüsselt sind – viele Anbieter bieten dies an, aber es ist nicht immer standardmäßig aktiviert. Führen Sie für alle Passwörter, API-Schlüssel und Zugangsdaten ein sicheres Passwort-Management-System (z. B. 1Password, Bitwarden) ein und stellen Sie sicher, dass keine Zugangsdaten in Klartextform in Code-Repositories oder Dokumenten gespeichert sind.