Marketing Glossar

2.413 Fachbegriffe aus 22 Bereichen des Online Marketings

Wettbewerbsrecht Online

Definition: Das Wettbewerbsrecht Online bezeichnet die Gesamtheit der rechtlichen Regeln, die den fairen und lauteren Wettbewerb im Internet und in digitalen Kanälen schützen. Es ist kein eigenständiges Rechtsgebiet, sondern die Anwendung des allgemeinen Wettbewerbsrechts – in Deutschland vor allem des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) – auf die spezifischen Gegebenheiten digitaler Märkte und Online-Kommunikation. Ergänzt wird das nationale UWG durch EU-Rechtsinstrumente, insbesondere den Digital Services Act (DSA), den Digital Markets Act (DMA), die Omnibus-Richtlinie und die ePrivacy-Richtlinie. Das Online-Wettbewerbsrecht regelt unter anderem die Zulässigkeit von Online-Werbung, die Anforderungen an die Kennzeichnung bezahlter Inhalte, die Transparenz von Algorithmen und Empfehlungssystemen, den Schutz vor Dark Patterns, die Zulässigkeit von Preisvergleichen und Preisaussagen sowie die Grenzen von Influencer-Marketing. Verstöße können von Mitbewerbern, Verbraucherverbänden und Abmahnvereinen geltend gemacht werden und führen zu Unterlassungsansprüchen, Schadensersatz und Bußgeldern. Die digitale Dimension des Wettbewerbsrechts entwickelt sich rasant, da technische Innovationen – von KI-generierter Werbung bis zu algorithmischer Preisgestaltung – ständig neue Rechtsfragen aufwerfen.

Erläuterung

Das Wettbewerbsrecht im Online-Kontext greift an mehreren Punkten des Marketing-Trichters. Bereits bei der Suchmaschinenoptimierung und bezahlten Suchanzeigen stellen sich wettbewerbsrechtliche Fragen: Darf eine Marke als Keyword in der Google-Suchanzeige eines Mitbewerbers verwendet werden? Wann ist ein Preisvergleich in einer Werbeanzeige irreführend? Diese Fragen werden durch eine umfangreiche Rechtsprechung des EuGH und nationaler Gerichte beantwortet.

Im Bereich Social-Media-Marketing ist die Kennzeichnungspflicht für Werbung ein zentrales Thema. Wer für die Darstellung eines Produkts oder einer Dienstleistung in sozialen Netzwerken entlohnt wird – sei es in Geld, durch Produkte oder andere Vorteile –, muss seinen Content klar als Werbung kennzeichnen. Die Anforderungen variieren je nach Plattform und Format: Auf Instagram reicht ein „#Werbung"-Tag in bestimmten Fällen aus, auf anderen Plattformen oder in anderen Kontexten können weitergehende Kennzeichnungen erforderlich sein. Entscheidend ist, dass die Kennzeichnung eindeutig, gut sichtbar und für die Zielgruppe verständlich ist.

Dark Patterns – also manipulative Benutzeroberflächen-Designs, die Nutzer zu unerwünschten Handlungen verleiten – sind seit der UWG-Reform und dem Inkrafttreten des DSA ausdrücklich verboten. Dazu zählen vorausgefüllte Bestellhäkchen für kostenpflichtige Zusatzoptionen, verschleierte Abonnement-Fallen, irreführende Countdown-Timer, die künstliche Verknappung vortäuschen, und Benutzerführungen, die das Ablehnen von Einwilligungen unnötig erschweren. Der DSA enthält für Very Large Online Platforms (VLOPs) besondere Verbote gegenüber dem Einsatz von Dark Patterns (Art. 25 DSA).

Bewertungssysteme sind ein weiterer Schwerpunkt des Online-Wettbewerbsrechts. Gefälschte Bewertungen (Fake Reviews), das Kaufen positiver Rezensionen oder das gezielte Erstellen negativer Bewertungen für Wettbewerber sind nach der Omnibus-Richtlinie (umgesetzt 2022) ausdrücklich als unlautere Geschäftspraktik eingestuft. Plattformen, die Bewertungen zugänglich machen, müssen transparent kommunizieren, ob und wie sie die Echtheit von Bewertungen prüfen.

Der Digital Markets Act (DMA) adressiert strukturelle Machtasymmetrien zwischen großen Plattformbetreibern (sogenannten Gatekeepern wie Google, Meta, Apple, Amazon) und ihren gewerblichen Nutzern sowie Wettbewerbern. Für das Online-Marketing bedeutet dies unter anderem: Gatekeeper dürfen eigene Dienste in Rankings nicht bevorzugen (Self-Preferencing-Verbot), Interoperabilität zwischen Plattformen muss ermöglicht werden, und Nutzerdaten aus verschiedenen Diensten dürfen nicht ohne Einwilligung zusammengeführt werden.

Wichtige Verbote im Online-Wettbewerbsrecht

Durchsetzung und Rechtsmittel

Praxistipp: Führen Sie vor dem Launch jeder größeren Marketingkampagne einen kurzen Wettbewerbsrechts-Check durch: Sind alle Preisaussagen und Rabatte korrekt belegt? Sind bezahlte Kooperationen, Influencer-Posts und Affiliate-Links klar gekennzeichnet? Enthält Ihre Website keine Dark Patterns bei Bestellprozessen oder Cookie-Bannern? Prüfen Sie außerdem regelmäßig, ob neue EU-Rechtsentwicklungen (DSA, DMA, Omnibus-Richtlinie) Anpassungen Ihrer Marketing-Prozesse erforderlich machen, da sich das Online-Wettbewerbsrecht in einem dynamischen Wandel befindet.