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Bid Shading

Definition: Bid Shading ist eine algorithmische Methode zur Gebotsoptimierung im programmatischen Advertising, bei der eine Demand-Side-Plattform (DSP) oder ein eigenständiger Bidding-Algorithmus das maximale Gebot für eine Impression in einer First-Price Auction automatisch nach unten korrigiert, um Übergebote zu vermeiden und den tatsächlich gezahlten Clearing-Preis möglichst nah am realen Marktwert zu halten. Bid Shading entstand als direkte Reaktion auf die branchenweite Umstellung der programmatischen Auktionsinfrastruktur von Second-Price-Auctions auf First-Price-Auctions, die zwischen 2017 und 2020 stattfand. In Second-Price-Auctions war das Gebot selbst weniger kritisch, da der Gewinner nur den Preis des zweithöchsten Gebots plus einen Cent zahlen musste – man konnte aggressiv bieten, ohne viel zu riskieren. In First-Price-Auctions zahlt der Gewinner hingegen exakt seinen eigenen Gebotspreis, weshalb ein zu hohes Gebot direkt zu Overpayment führt und die Kampagnen-KPIs verschlechtert. Bid-Shading-Algorithmen lernen auf Basis historischer Auction-Daten und aktueller Marktsignale, welcher Preis für eine bestimmte Impression zum aktuellen Zeitpunkt notwendig ist, um die Auction zu gewinnen, und setzen das tatsächliche Gebot auf einen optimierten Wert zwischen dem ursprünglichen Maximalgebot und dem erwarteten Clearing-Price. Ziel ist die Maximierung der gewonnenen Impressionen bei gleichzeitiger Minimierung des durchschnittlich gezahlten CPM.

Erläuterung

Um Bid Shading zu verstehen, ist es hilfreich, die grundlegende Auktionslogik zu kennen, auf die es reagiert. In einem Second-Price-Auktionsmodell (auch Vickrey-Auktion genannt) bietet jeder Teilnehmer seinen maximalen Wert, zahlt aber nur den Preis des zweithöchsten Gebots plus einen minimalen Aufpreis. Dieses Modell setzt für Bieter Anreize, ihren wahren Wert zu bieten: Es gibt keine strategische Motivation, das Gebot zu drücken, da man immer nur knapp über dem nächsten Bieter zahlt. Für Publisher hat dieses Modell den Nachteil, dass der erzielte Preis oft deutlich unter dem tatsächlichen Marktpreis liegen kann.

Beim Wechsel zur First-Price-Auction ändert sich die Spieltheorie fundamental: Wer am höchsten bietet, gewinnt und zahlt exakt seinen Gebotspreis. Das bedeutet, dass ein überhöhtes Gebot direkt in Mehrausgaben resultiert. Gleichzeitig fehlt Bietern zunächst ein gutes Modell, was der tatsächliche Clearing-Price für eine bestimmte Impression typischerweise ist – ein Wissen, das in Second-Price-Auctions durch die häufig anfallenden sehr niedrigen Clearing-Prices implizit sichtbar war.

Bid-Shading-Algorithmen lösen dieses Problem durch maschinelles Lernen: Sie analysieren große Mengen historischer Auction-Daten – für welche Inventartypen, Publisher, Tageszeiten, Zielgruppen und Umfelder wurden welche Clearing-Prices erzielt? – und lernen so, den wahrscheinlichsten Gewinnpreis für eine gegebene Impression vorherzusagen. Das tatsächlich abgegebene Gebot wird dann auf einen Wert gesetzt, der etwas über dem erwarteten Clearing-Price liegt, um die Gewinnwahrscheinlichkeit zu maximieren, ohne unnötig viel zu zahlen.

Technische Funktionsweise und Einflussfaktoren

Bid Shading vs. andere Gebotsoptimierungsstrategien

Praxistipp: Aktivieren Sie Bid Shading in Ihrer DSP sofern verfügbar – in einer First-Price-Auction-Welt ohne Bid Shading zahlen Sie systematisch zu viel für Ihre Impressionen. Überprüfen Sie die Performance-Metriken vor und nach Aktivierung von Bid Shading anhand von durchschnittlichem CPM, Win Rate und Gesamtkosten für definierte KPIs. Eine leicht sinkende Win Rate bei deutlich sinkendem durchschnittlichem CPM ist ein Zeichen, dass das Shading korrekt funktioniert. Achten Sie außerdem darauf, dass Ihr DSP Bid-Shading-Funktionen transparent dokumentiert – intransparentes Shading durch Intermediäre kann zu nicht nachvollziehbaren Preisverzerrungen führen.