Cross-Device Advertising
Definition: Cross-Device Advertising bezeichnet die Fähigkeit, Werbebotschaften koordiniert und konsistent über verschiedene Endgeräte hinweg – Smartphone, Tablet, Desktop-Computer, Laptop sowie Connected TV – an ein und denselben Nutzer auszuspielen. Das zentrale Ziel ist eine kohärente Markenerfahrung über alle digitalen Touchpoints hinweg: Werbeanzeigen sollen nicht auf einem Gerät zu oft wiederholt werden (Over-Frequency), während derselbe Nutzer auf einem anderen Gerät gar nicht erreicht wird; Retargeting-Botschaften sollen den Nutzer auf seinem gerade aktiv genutzten Gerät erreichen, unabhängig davon, auf welchem Gerät das auslösende Ereignis (z.B. Produktbesuch oder Warenkorbabbruch) stattgefunden hat; und die Attribution von Conversions soll geräteübergreifend möglich sein, damit die Customer Journey vollständig abgebildet werden kann. Cross-Device Advertising setzt eine zuverlässige Methode voraus, dieselbe Person auf verschiedenen Geräten zu identifizieren – was technisch anspruchsvoll ist und datenschutzrechtliche Anforderungen stellt.
Erläuterung
Die Identifikation desselben Nutzers auf unterschiedlichen Geräten erfolgt grundsätzlich auf zwei Wegen: deterministisch und probabilistisch. Deterministische Cross-Device-Identifikation basiert auf gemeinsamen Authentifizierungsdaten – wenn ein Nutzer sich auf verschiedenen Geräten in dasselbe Konto einloggt (z.B. Google-Account, Facebook-Account, Amazon-Login), kann die Plattform mit hoher Sicherheit schließen, dass es sich um dieselbe Person handelt. Diese Methode ist präzise, aber auf angemeldete Nutzer beschränkt und stark an die großen Walled Gardens (Google, Meta, Amazon) geknüpft, die über solche Login-Ökosysteme verfügen.
Probabilistische Cross-Device-Identifikation nutzt statistische Modelle, um auf Basis gemeinsamer Signale – gleiche IP-Adresse im selben Haushalt, ähnliche Surf- und App-Nutzungszeiten, übereinstimmende geografische Muster – zu schätzen, dass mehrere Geräte wahrscheinlich derselben Person gehören. Diese Methode skaliert besser als deterministische Ansätze, ist aber fehleranfälliger, da Familienhaushalte oder WGs, die dasselbe WLAN nutzen, irrtümlich als eine Person eingestuft werden können.
Identity-Graph-Lösungen – Datenbankstrukturen, die deterministische und probabilistische Signale kombinieren und Gerätecluster zu Personenprofilen verdichten – werden von spezialisierten Anbietern wie LiveRamp, Experian oder The Trade Desk angeboten und können in DSPs integriert werden. Mit dem Ende von Third-Party-Cookies wird Cross-Device-Tracking außerhalb von Walled Gardens allerdings erheblich schwieriger, da ein wesentlicher Brückenbaustein für die geräteübergreifende Identifikation verloren geht. Identity Solutions auf Basis gehashter E-Mail-Adressen (wie UID 2.0) können teilweise Ersatz bieten, sind aber ebenfalls auf Nutzereinwilligung angewiesen.
Cross-Device Advertising hat erhebliche Auswirkungen auf Frequency Capping, Attribution und Kampagnenoptimierung. Wenn ein Nutzer auf drei verschiedenen Geräten erfasst wird und das Frequency Cap pro Gerät auf 5 eingestellt ist, kann er in Realität bis zu 15 Mal mit der Anzeige konfrontiert werden – weit mehr als sinnvoll oder erwünscht. Umgekehrt kann ein Nutzer, der auf Gerät A eine Produktseite besucht und auf Gerät B konvertiert, ohne Cross-Device-Tracking gar nicht als Conversion des Display-Kanals erkannt werden, der die initiale Inspiration auf Gerät A lieferte.
Methoden der geräteübergreifenden Identifikation
- Deterministisches Matching: Login-basierte Identifikation über eingeloggte Nutzer in Plattform-Ökosystemen. Präzise, aber auf konsentierte Anmeldungen beschränkt.
- Probabilistisches Matching: Statistische Modelle auf Basis von IP, Zeitmustern, Standorten und Verhaltensähnlichkeiten. Skalierbar, aber mit Fehlerquote behaftet.
- Identity Graphs: Aggregierte Datenbankstrukturen, die deterministische und probabilistische Signale kombinieren und für DSP-Integration bereitgestellt werden.
- First-Party-Login-Strategien: Publisher und Werbetreibende mit eingeloggten Nutzern können Cross-Device-Daten auf eigener Datenbasis aufbauen, ohne auf Drittanbieter-Daten angewiesen zu sein.
- Privacy Sandbox (CHIPS, Related Website Sets): Googles Technologien versuchen, begrenzte Cross-Site- und Cross-Device-Funktionalität zu erhalten, ohne individuelle Nutzerdaten extern zu teilen.
Cross-Device Attribution und Messung
- Cross-Device Attribution: Erfordert die Verknüpfung von Werbemittelkontakten und Conversion-Ereignissen über Gerätegrenzen hinweg; ohne Cross-Device-Daten werden Conversions häufig falsch oder gar nicht dem auslösenden Touchpoint zugeordnet.
- Household-Graphs: IP-basierte Haushaltszuordnungen ermöglichen es, alle Geräte in einem Haushalt als Einheit zu behandeln – besonders relevant für CTV und lineare TV-Kampagnenmessung.
- People-Based Marketing: Ansatz von Meta, Google und anderen großen Plattformen, bei dem die Person und nicht das Gerät als Targeting-Einheit dient, gestützt auf umfangreiche Login-Daten.