Marketing Glossar

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Identity Solutions

Definition: Identity Solutions sind Technologien, Frameworks und Protokolle, die eine datenschutzfreundliche, von Third-Party-Cookies unabhängige Nutzeridentifikation und -wiedererkennung für die Zwecke des Targetings, der Frequency-Steuerung und der Kampagnenmessung im digitalen Advertising ermöglichen. Sie entstanden als Reaktion auf den technologischen und regulatorischen Druck, der durch das Blockieren und sukzessive Abschaffen von Third-Party-Cookies durch Apple Safari (seit 2017), Firefox (seit 2019) und Chrome (schrittweise ab 2024) sowie durch die DSGVO und ähnliche Datenschutzgesetze weltweit entstand. Identity Solutions basieren in der Regel auf einwilligungsbasierten Identifikatoren – häufig gehashte und verschlüsselte E-Mail-Adressen oder Login-Daten –, die Nutzer aktiv durch Registrierung, Newsletter-Anmeldung oder ausdrückliche Zustimmung bereitgestellt haben. Im Unterschied zu Third-Party-Cookies verfolgen diese Lösungen Nutzer nicht heimlich über das Web, sondern erfordern einen aktiven Einwilligungsakt des Nutzers. Bekannte Lösungen umfassen UID 2.0 (Unified ID 2.0, entwickelt von The Trade Desk), ID5, LiveRamp's RampID, Neustar's Fabrick ID sowie Publisher-eigene Login-Allianzen wie die deutsche d-force (ProSiebenSat.1 und IP Deutschland).

Erläuterung

Das Third-Party-Cookie war über zwei Jahrzehnte das Rückgrat des digitalen Advertisings: Es ermöglichte Werbetreibenden, denselben Nutzer über verschiedene Websites hinweg zu erkennen, Zielgruppenprofile aufzubauen, Retargeting durchzuführen und Conversions der richtigen Kampagne zuzuordnen. Mit dem Wegfall dieser Technologie entsteht eine fundamentale Lücke, die Identity Solutions zu schließen versuchen.

Der technische Kernmechanismus der meisten Identity Solutions ist das Hashing: Wenn ein Nutzer seine E-Mail-Adresse eingibt, wird diese in einen einheitlichen, verschlüsselten Identifier umgewandelt (z.B. SHA-256 Hash). Dieser Hash ist für alle beteiligten Partner lesbar, lässt aber keinen direkten Rückschluss auf die originale E-Mail-Adresse zu. Stimmen Publisher, Werbetreibender und DSP dem selben Identity-Framework bei, kann der Nutzer kanalübergreifend erkannt werden – ohne direkten Datenaustausch der originalen E-Mail-Adresse.

Ein wesentliches Problem ist die Reichweite: Identity Solutions funktionieren nur dort, wo Nutzer eingeloggt sind und eingewilligt haben. Im open Web, auf dem Nutzer anonym surfen, helfen sie nicht weiter. Schätzungen zufolge sind in Deutschland nur 30–50 Prozent aller Web-Nutzer über Identity Solutions adressierbar, mit starken Unterschieden je nach Demografie und Publisher-Kategorie. Jüngere Nutzer, die häufiger eingeloggte Dienste nutzen, sind besser adressierbar als ältere anonyme Surfer.

Ein weiteres Problem ist die Marktfragmentierung: Dutzende konkurrierender Identity Solutions kämpfen um Adoption. Publisher müssen entscheiden, welche Lösungen sie implementieren; DSPs müssen entscheiden, welche sie unterstützen. Für Werbetreibende bedeutet das, je nach verwendeter Plattform unterschiedliche Reichweiten und Matching-Raten.

Führende Identity Solutions im Vergleich

Strategische Implikationen für Werbetreibende

Praxistipp: Evaluieren Sie zunächst, welche Identity Solutions von Ihren wichtigsten DSP- und Publisher-Partnern am stärksten unterstützt werden, und priorisieren Sie diese für erste Tests. Messen Sie die Match-Raten (welcher Anteil Ihrer Zielgruppe wird über die Lösung erkannt) und vergleichen Sie Kampagnen-Performance mit und ohne Identity-Signal. Beginnen Sie parallel mit dem Aufbau einer robusten First-Party-Datenstrategie – das ist die wertvollste langfristige Investition, da Ihre eigenen Kundendaten nicht von externen Technologieentscheidungen abhängen.