Marketing Glossar

2.413 Fachbegriffe aus 22 Bereichen des Online Marketings

Retargeting-Sequenz

Definition: Eine Retargeting-Sequenz ist eine strukturierte, zeitlich gegliederte Abfolge unterschiedlicher Werbebotschaften und Creatives, die an Nutzer mit belegtem Vorinteresse ausgespielt werden, um sie systematisch durch den Conversion-Funnel zu führen. Im Unterschied zu einem einfachen Retargeting-Setup, das dieselbe Anzeige wiederholt an alle Besucher ausspielt, folgt eine Retargeting-Sequenz dem Prinzip des Progressive Messaging: Jede Phase der Sequenz kommuniziert eine andere Botschaft, die auf dem bisherigen Verhalten des Nutzers und der verstrichenen Zeit seit seinem letzten Kontakt aufbaut. Ziel ist es, die Kommunikation relevanter und überzeugender zu gestalten, indem die Werbebotschaft mit dem jeweiligen psychologischen und zeitlichen Stand des Nutzers in seiner Entscheidungsfindung übereinstimmt. Retargeting-Sequenzen sind damit eine Verschmelzung von Retargeting-Technologie und dem Konzept des Sequential Advertising: Ersteres stellt sicher, dass ausschließlich Nutzer mit belegtem Interesse angesprochen werden; Letzteres sorgt dafür, dass die Botschaft nicht monoton wiederholt, sondern narrativ weiterentwickelt wird. Das Ergebnis ist eine personalisierte, mehrstufige Kommunikation, die effektiver auf Conversion ausgerichtet ist als das einfache Wiederzeigen einer identischen Anzeige.

Erläuterung

Die Logik einer Retargeting-Sequenz basiert auf der Erkenntnis, dass der Entscheidungsprozess eines potenziellen Käufers nicht in einem einzigen Moment stattfindet, sondern sich über mehrere Phasen erstreckt. In der ersten Phase nach dem Website-Besuch – typischerweise den ersten ein bis drei Tagen – ist das Interesse des Nutzers noch frisch. In dieser Phase sind einfache Reminder-Anzeigen, die an das angesehene Produkt oder die besuchte Kategorie erinnern, besonders wirksam. Sie signalisieren dem Nutzer ohne Umschweife: „Sie haben sich für dieses Produkt interessiert – es ist noch verfügbar." Mit zunehmendem zeitlichem Abstand zum Besuch verändert sich die Psychologie des Nutzers: Das ursprüngliche Interesse kühlt ab, und neue Einwände oder Zweifel können entstehen. In dieser mittleren Phase der Sequenz – typischerweise Tag vier bis sieben oder auch bis zu vierzehn Tage nach dem Erstkontakt – können Botschaften, die Vertrauen aufbauen, besonders wirksam sein: Kundenrezensionen, Testimonials, Gütesiegel, Auszeichnungen oder Produktvorteile in Form eines Nutzenarguments. Wenn der Nutzer auch nach dieser Phase noch nicht konvertiert hat, rückt er in die späte Phase der Sequenz, die typischerweise zwischen Tag sieben und dreißig nach dem letzten Besuch liegt. In dieser Phase können stärkere Kaufanreize eingesetzt werden: Rabattangebote, zeitlich begrenzte Aktionen, kostenloser Versand oder andere konkrete Vorteile, die die Conversion trotz fortgeschrittener Entscheidungsambivalenz auslösen. Nach der Conversion muss der Nutzer konsequent aus der Retargeting-Sequenz ausgeschlossen werden, um konvertierte Kunden nicht mit Angeboten zu konfrontieren, die für sie keine Relevanz mehr haben. Technisch wird die Sequenz über zeitlich gestaffelte Audience-Segmente in der DSP oder im Ad Server umgesetzt: Für jedes Zeitfenster wird ein separates Segment definiert, dem ein spezifisches Creative zugeordnet wird.

Aufbau einer typischen Retargeting-Sequenz

Erweiterte Segmentierung und Personalisierung

Praxistipp: Beginnen Sie die Planung einer Retargeting-Sequenz mit einer klaren Segmentierungslogik: Welche Nutzergruppen haben welches Kaufinteresse gezeigt, und welche unterschiedlichen Botschaften sind für diese Gruppen sinnvoll? Vermeiden Sie die häufige Praxis, in allen Phasen dieselbe Anzeige zu zeigen – Nutzer, die dasselbe Creative zehnmal gesehen haben, werden nicht durch eine elfte Impression zur Conversion bewegt. Testen Sie verschiedene Botschaftssequenzen und messen Sie, in welcher Phase die meisten Conversions entstehen, um Ressourcen gezielt auf die wirksamsten Phasen zu konzentrieren. Und schließen Sie konvertierte Kunden konsequent aus – ein Nutzer, der soeben gekauft hat und weiterhin mit Kaufaufforderungen konfrontiert wird, empfindet das als Fehler, nicht als Service.