Marketing Glossar

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Sellers.json

Definition: Sellers.json ist ein vom IAB Tech Lab entwickelter offener Standard, der Ad Exchanges, Supply-Side-Plattformen (SSPs) und andere Intermediäre des programmatischen Werbemarkts dazu verpflichtet, eine öffentlich zugängliche, maschinenlesbare JSON-Datei auf ihrer Domain zu veröffentlichen. Diese Datei listet alle Unternehmen und Personen auf, die über die jeweilige Plattform Werbeinventar zum Kauf anbieten dürfen. Jeder Eintrag enthält mindestens eine eindeutige Seller-ID, den Namen des Verkäufers sowie eine Klassifizierung, ob es sich um einen direkten Publisher (PUBLISHER), einen Wiederverkäufer (INTERMEDIARY) oder beides (BOTH) handelt. Sellers.json ergänzt den bereits etablierten ads.txt-Standard: Während ads.txt auf Publisher-Seite deklariert, welche SSPs ihr Inventar verkaufen dürfen, dokumentiert sellers.json auf SSP-Seite, wer hinter jeder Seller-ID steckt. Gemeinsam bilden beide Standards die Grundlage für Authenticated Supply Chains und ermöglichen es Demand-Side-Plattformen sowie Advertisern, die vollständige Lieferkette einer Impression vom Publisher bis zur Auktion nachzuvollziehen – ein wesentlicher Baustein im Kampf gegen Ad Fraud, Domain Spoofing und unautorisierten Inventarhandel.

Erläuterung

Programmatische Werbung wird über komplexe, oft mehrstufige Lieferketten abgewickelt. Eine einzelne Impression kann durch mehrere SSPs, Exchanges und Reseller fließen, bevor sie in einer DSP-Auktion erscheint. Diese Komplexität schuf historisch viel Raum für Betrug: Betrüger konnten hochwertige Publisher-Namen in Bid Requests einsetzen, ohne das entsprechende Inventar tatsächlich zu kontrollieren (Domain Spoofing), oder Inventar über nicht autorisierte Reseller handeln, die Margen abschöpfen und Advertisern schlechte Qualität lieferten.

Sellers.json adressiert dieses Problem, indem es Transparenz auf der Angebotsseite erzwingt. Eine DSP oder ein Advertiser, der eine Bid-Request-Anfrage erhält, kann die Seller-ID im SupplyChain Object (schain) des OpenRTB-Protokolls mit den Einträgen in der sellers.json-Datei des jeweiligen Intermediärs abgleichen. Stimmt die Seller-ID überein und ist das Unternehmen als legitimer Verkäufer gelistet, steigt das Vertrauen in die Impression erheblich. Fehlt ein Eintrag oder weichen die Angaben ab, ist dies ein starkes Warnsignal für potenziellen Betrug oder nicht autorisierte Resale-Aktivitäten.

Die Datei wird unter einem standardisierten Pfad gehostet und kann von automatisierten Systemen regelmäßig abgerufen und gecacht werden. Große Exchanges veröffentlichen Listen mit Tausenden von Einträgen, die kontinuierlich aktualisiert werden müssen, wenn neue Publisher ongeboardet oder bestehende Partnerschaften beendet werden. Sellers.json wurde 2019 vom IAB Tech Lab veröffentlicht und wird heute von allen relevanten Marktteilnehmern – darunter Google, The Trade Desk, Xandr und Index Exchange – unterstützt. In Kombination mit dem SupplyChain Object im OpenRTB-Protokoll ermöglicht er eine vollständige End-to-End-Verifizierung jedes Bid Requests.

Der Standard ist Teil eines umfassenderen Transparenz-Ökosystems, das die Vertrauenswürdigkeit des programmatischen Marktes insgesamt erhöhen soll. Seit der Einführung hat sich die Qualität des gehandelten Inventars nachweislich verbessert, da Marktteilnehmer, die Transparenzanforderungen nicht erfüllen, zunehmend von gut informierten Käufern gemieden werden. Die kontinuierliche Pflege und Aktualität der eigenen sellers.json-Datei ist deshalb für SSPs und Exchanges zu einem wichtigen Qualitätsmerkmal gegenüber ihren Käuferpartnern geworden.

Aufbau der sellers.json-Datei

Sellers.json im Zusammenspiel mit anderen Transparenz-Standards

Bedeutung für Brand Safety und Ad Fraud Prevention

Praxistipp: Überprüfen Sie als Advertiser oder DSP-Nutzer regelmäßig, ob Ihre wichtigsten SSP-Partner aktuelle und vollständige sellers.json-Dateien veröffentlichen, und konfigurieren Sie Ihre Kampagnen so, dass Impressionen ohne valide schain-Einträge automatisch gefiltert werden. Bestehen Sie bei der Auswahl neuer Inventarquellen auf vollständige Supply-Chain-Transparenz – ein SSP, der keine sellers.json pflegt oder viele Einträge als confidential markiert, ist ein ernstzunehmendes Warnsignal für mangelnde Qualitätskontrolle.