SKU (Stock Keeping Unit)
Definition: Eine SKU (Stock Keeping Unit, Lagerbestandseinheit) ist eine eindeutige, vom Händler intern definierte alphanumerische Identifikationsnummer für eine spezifische Produktvariante in einem bestimmten Zustand. Jede kaufbare Einheit – ein T-Shirt in Grösse M Rot, dasselbe T-Shirt in Grösse L Blau – erhält eine eigene SKU. Im Unterschied zur EAN/GTIN (vom Hersteller vergeben, weltweit einheitlich) ist die SKU händlerspezifisch und wird für interne Prozesse wie Bestandsführung, Warenwirtschaft, Marktplatz-Abgleich und Analyse genutzt.
Erläuterung
SKUs sind das Rückgrat des operativen E-Commerce: Ohne strukturiertes SKU-System wächst die Fehlervermeidung mit dem Sortiment – falsche Lieferungen, verwirrte Lagermitarbeiter, fehlerhafte Marktplatz-Listings. Ein gut designtes SKU-System ist menschenlesbar (ein Blick auf die SKU sagt dem Mitarbeiter welches Produkt gemeint ist) und maschinell verarbeitbar (ERP, WMS, Marktplätze nutzen die SKU für Datenbankabgleiche).
SKU vs. andere Produktidentifikatoren
- SKU (Stock Keeping Unit): Händlerspezifisch; intern definiert; beliebiges Format; für interne Prozesse; z. B. «NIKE-AM270-HH-SW-42»
- EAN / GTIN (Global Trade Item Number): Vom Hersteller vergeben; weltweit einheitlich (13-stellig in Europa); auf Produktverpackung als Barcode; Pflicht für Google Shopping und Amazon; z. B. «4054069576563»
- ASIN (Amazon Standard Identification Number): Von Amazon vergeben; Amazon-spezifisch; 10-stellig; eindeutig innerhalb Amazon; kein Äquivalent auf anderen Plattformen
- MPN (Manufacturer Part Number): Vom Hersteller vergebene Teilenummer; wichtig bei Elektronik und Zubehör; zusammen mit Brand als GTIN-Ersatz in Google Shopping akzeptiert
- Artikel-ID im Shopsystem: Systemseitig generierte ID (Shopify: Numerisch); interne Referenz; nicht identisch mit SKU; kein Ersatz für strukturierte SKUs
SKU-Systematik – Design-Prinzipien
- Menschenlesbarkeit: SKU soll ohne Nachschlagen verständlich sein; «NIKE-AM270-HH-SW-42» = Nike Air Max 270, Herren, Schwarz, Grösse 42; kein kryptischer Zahlencode
- Hierarchische Struktur: Kategorie + Marke/Lieferant + Produktname + Variante(n); jeder Block durch Bindestrich getrennt; konsistentes Format über alle Produkte
- Keine Sonderzeichen: Nur Buchstaben, Zahlen und Bindestrich; keine Leerzeichen, Umlaute, Schrägstriche; CSV-Kompatibilität und System-übergreifende Verarbeitung
- Stabiles Format: SKU ändert sich nie für ein Produkt; Preisänderungen, Produktupdates → gleiche SKU; Änderung würde historische Verkaufsdaten abtrennen
- Länge: 8–20 Zeichen als Orientierung; zu kurz = nicht ausreichend differenzierend; zu lang = schwer lesbar; 12–15 Zeichen oft optimal
Varianten-SKU-Struktur
- Parent-SKU: Übergeordnete Produkt-ID ohne Variante; «NIKE-AM270-HH» für das Schuh-Modell generell; enthält alle gemeinsamen Eigenschaften
- Varianten-SKU: Parent + Variantenattribute; «NIKE-AM270-HH-SW-42» (Farbe SW = Schwarz, Grösse 42); eindeutig je kaufbarer Einheit
- Systematische Kürzel: Farb-Kürzel konsistent definieren (SW = Schwarz, WS = Weiss, BL = Blau, RT = Rot); Grössenkürzel einheitlich (42, M, L oder XS/S/M/L); kein Mix verschiedener Codierungen
- Varianten-Explosion: T-Shirt in 5 Farben × 6 Grössen = 30 Varianten-SKUs pro Produkt; bei 200 Produkten = 6.000 SKUs; strukturiertes System verhindert Verwaltungschaos
SKU-Anwendung in verschiedenen Systemen
- Shopsystem (Shopify/WooCommerce): SKU je Variante im Produkt-Backend; Lagerbestand je SKU; Grundlage für Bestandswarnungen; bei 0 Bestand automatisch «nicht lieferbar»
- Warenwirtschaft/ERP: SKU als primärer Artikelschlüssel; Eingangslieferungen, Bestände, Bestellungen auf SKU-Ebene; SKU-Konsistenz zwischen Shop und ERP kritisch
- Marktplätze: Amazon: eigene ASIN, aber Seller-SKU frei wählbar (erscheint in Berichten); SKU-Matching zwischen Marktplatz und eigenem System via Feed-Management-Tool
- Google Shopping Feed: SKU als «id»-Feld (Pflicht); stabile SKU = stabiler Produktverlauf in Google; häufige SKU-Änderungen unterbrechen Qualitäts-Score-Aufbau
SKU-Rationalisierung
- Pareto-Analyse: 20 % der SKUs generieren 80 % des Umsatzes; Identifikation von Slow-Movern (geringe Verkäufe + langer Lagerstand); Entscheidung: behalten, reduzieren, einstellen
- Lagerkosten pro SKU: Jede aktive SKU verursacht Lagerkosten, Verwaltungsaufwand und gebundenes Kapital; Sortimentsbreite vs. -tiefe abwägen; weniger SKUs können Lagerumschlag verbessern
- Varianten-Konsolidierung: Zu viele ähnliche Varianten (12 fast identische Farbnuancen) können Entscheidungsparalyse erzeugen; Konsolidierung auf Top-6-Varianten oft besser für Conversion