Engagement Rate (Influencer)
Definition: Die Engagement Rate (ER) im Influencer Marketing misst das Verhältnis aller Interaktionen – Likes, Kommentare, Shares, Saves, Reaktionen – zur Gesamtanzahl der Follower oder der erzielten Impressionen eines Influencers. Die followerbasierte Formel lautet: ER = (Likes + Kommentare + Shares + Saves) ÷ Follower × 100. Alternativ wird die impressionsbasierte ER berechnet: ER = Engagements ÷ Impressionen × 100. Die Engagement Rate ist eine der wichtigsten Qualitätskennzahlen im Influencer Marketing und signalisiert, wie aktiv und loyall eine Community ist – unabhängig von der absoluten Followeranzahl.
Erläuterung
Die Engagement Rate erlaubt es, Influencer unterschiedlicher Größen miteinander zu vergleichen und die relative Aktivität ihrer Communities zu beurteilen. Ein zentrales Phänomen: Nano- und Mikro-Influencer weisen in der Regel deutlich höhere Engagementraten auf als Mega-Influencer oder Celebrities, weil ihre Communities enger, persönlicher und thematisch homogener sind. Ein Influencer mit 10.000 Followern und 3 % ER erzeugt pro Post 300 Interaktionen – ein Mega-Influencer mit 2 Millionen Followern und 0,2 % ER dagegen 4.000 Interaktionen, kostet aber oft das 100-Fache. Die Engagement Rate wird über mehrere Posts (idealerweise die letzten 12–20) gemittelt, um saisonale Schwankungen und Ausreißer auszugleichen. Bei der Bewertung sind Plattformunterschiede zu beachten: Instagram-Reels weisen höhere ERs auf als statische Posts; TikTok-Videos werden durch algorithmische Verteilung an Nicht-Follower bevorzugt, was die Berechnung zur Follower-Basis verzerren kann. Die Qualität der Engagement-Inhalte ist dabei ebenso wichtig wie die Quantität – sinnvolle Kommentare und Markierungen von Freunden haben einen höheren Wert als Emoji-Antworten oder Pod-Engagements.
Engagement Rate Benchmarks nach Plattform und Influencer-Größe
- Instagram – Nano (1K–10K): 5–10 % ER gilt als sehr gut; unter 3 % als schwach für diese Größenklasse; persönliche Nähe zur Community ist der Haupttreiber.
- Instagram – Mikro (10K–100K): 2–5 % als guter Richtwert; Accounts mit über 3 % gelten als überdurchschnittlich aktiv.
- Instagram – Makro (100K–1M): 1–3 % als normal; unter 0,5 % ist ein Warnsignal für Fake Followers oder inaktive Community.
- TikTok (alle Größen): 4–10 % für organisch gewachsene Accounts üblich; algorithmische Verstärkung kann Ausreißer in beide Richtungen erzeugen.
- YouTube: 0,5–2 % Like-Rate auf Views als Benchmark; Kommentarquote ist wichtiger als Likes, da Kommentare aktives Engagement erfordern.
- LinkedIn: 1–5 % ER gilt als stark; Plattform hat tendenziell niedrigere Engagementraten, dafür höhere inhaltliche Tiefe.
Fallstricke bei der Interpretation der Engagement Rate
- Engagement Pods: Netzwerke von Accounts, die sich gegenseitig kommentieren und liken, um die ER künstlich zu erhöhen; erkennbar an gleichförmigen Kommentaren und synchronem Engagement kurz nach dem Posting.
- Follower-basiert vs. impressionsbasiert: Die followerbasierte ER kann bei Accounts mit schlechter organischer Reichweite sehr niedrig sein, obwohl alle, die den Post sehen, interagieren – die impressionsbasierte ER ist hier aussagekräftiger.
- Inhaltstyp-Effekte: Wettbewerbe, Giveaways und virale Trends erzeugen Spitzen-ERs, die kein nachhaltiges Bild der organischen Performance geben; diese Posts aus dem ER-Durchschnitt herausrechnen.
- Plattformvergleich vermeiden: Eine 1 % ER auf TikTok bedeutet etwas anderes als 1 % auf LinkedIn – Vergleiche nur innerhalb derselben Plattform ziehen.