Marketing Glossar

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Virtual Influencer

Definition: Ein Virtual Influencer ist eine vollständig computergenerierte, fiktive digitale Persönlichkeit, die auf Social-Media-Plattformen wie echte Influencer agiert, Inhalte postet, Produkte bewirbt und mit ihrer Community interagiert. Virtual Influencer werden von Kreativstudios, Technologieunternehmen oder Marken selbst erschaffen und gesteuert. Im Gegensatz zu realen Influencern sind sie vollständig kontrollierbar: keine Skandale, keine Vertragsverletzungen, keine unerwarteten Meinungsänderungen. Bekannte Beispiele: Lil Miquela (@lilmiquela, über 2,5 Mio. Instagram-Follower, von Brud/Los Angeles erschaffen), Noonoouri (@noonoouri, Fashion-Virtual-Influencer mit über 400.000 Followern, für Dior und Valentino tätig), Imma (@imma.gram, Japan, für Ikea Japan eingesetzt). Virtual Influencer sind von KI-Influencern zu unterscheiden – letztere nutzen generative KI für weitgehend automatisierten Content.

Erläuterung

Virtual Influencer bewegen sich im Spannungsfeld zwischen kreativer Innovation und ethischen Fragen. Für avantgardistische Marken sind sie ein differenzierendes Instrument – vollständige Kontrolle über Markenaussage und Ästhetik ohne Abhängigkeit von menschlichen Influencern. Die Produktion eines Virtual Influencers erfordert erheblichen technischen Aufwand: 3D-Modellierung, Texturing, Lighting und CGI-Compositing in echte Umgebungen sind zeitintensiv und kostspielig. Ein einzelnes hochwertiges Bild kann mehrere Stunden Produktionszeit bedeuten. Gleichzeitig bleibt ein fundamentales Authentizitätsproblem: Virtual Influencer können kein Produkt „wirklich" testen oder erleben – eine Einschränkung, die bei Vertrauensprodukten (Lebensmittel, Kosmetik, Gesundheitsprodukte) besonders schwer wiegt. Die rechtliche Situation in Deutschland ist noch nicht abschließend geklärt: Ob Virtual Influencer grundsätzlich als „nicht real" deklariert werden müssen, ist offen – die Empfehlung lautet jedoch zu transparenter Kommunikation ihrer digitalen Natur. Kennzeichnungspflicht für bezahlte Kooperationen gilt auch für Virtual Influencer uneingeschränkt.

Technologie und Produktion

Vorteile für Marken und bekannte Kooperationen

Ethische Fragen und Grenzen

Praxistipp: Setzen Sie Virtual Influencer bevorzugt in Kontexten ein, wo Innovation und Andersartigkeit als Differenzierungsmerkmal gilt – nicht in Bereichen, wo menschliche Authentizität und persönliche Erfahrung der Kern der Botschaft sind. Produkte, die man „erleben" muss (Lebensmittel, Wellness, emotionale Erfahrungen), funktionieren mit Virtual Influencern schlechter als ästhetische Produkte (Mode, Technologie, Gaming). Kennzeichnen Sie Virtual Influencer in Ihrer Kommunikation transparent als digital: Nutzer, die im Nachhinein herausfinden, dass sie „getäuscht" wurden, reagieren mit stärkerem Vertrauensverlust als bei offener Kommunikation von Anfang an.