Marketing Glossar

2.413 Fachbegriffe aus 22 Bereichen des Online Marketings

ABM-Kampagnen

Definition: ABM-Kampagnen (Account-Based Marketing Kampagnen) sind Marketing-Maßnahmen, die speziell für vorab definierte Zielunternehmen (sogenannte Target Accounts) konzipiert, personalisiert und kanalübergreifend ausgespielt werden. Im Gegensatz zu klassischen Demand-Generation-Kampagnen, die breite Zielgruppen ansprechen, richtet sich jede ABM-Kampagne auf die spezifischen Bedürfnisse, Herausforderungen und Entscheidungsstrukturen eines einzelnen Unternehmens oder einer Unternehmensgruppe. Das Konzept des Account-Based Marketings wurde maßgeblich durch das 2013 erschienene Buch „A Practitioner's Guide to Account-Based Marketing" von Bev Burgess (ITSMA) und Dave Munn popularisiert. ITSMA (Information Technology Services Marketing Association) hatte den Begriff ABM bereits 2003 geprägt und in einer Studie festgestellt, dass ABM den höchsten ROI aller B2B-Marketing-Taktiken liefert. Technologisch wurde ABM durch Plattformen wie Demandbase (gegründet 2006, Chris Golec), Terminus (gegründet 2014, Eric Spett und Sangram Vajre), 6sense (gegründet 2013, Amanda Kahlow) und Rollworks skalierbar gemacht. Laut einer Studie von SiriusDecisions aus 2019 berichteten 91 Prozent der befragten Unternehmen mit ABM-Programm von einem durchschnittlichen Deal-Wert, der mindestens doppelt so hoch war wie bei Non-ABM-Accounts. ABM-Kampagnen nutzen als Kanäle personalisierte E-Mail-Sequenzen, LinkedIn-Werbung über Matched Audiences, programmatische Display-Werbung auf Basis von IP-Targeting, Direct Mail, personalisierte Landing Pages und Live-Events bzw. virtuelle Events für ausgewählte Accounts. Das CRM-System bildet dabei die Datenbasis, in der alle Account-Informationen, Kontakte, Touchpoints und Engagement-Signale zusammenlaufen.

Erläuterung

Die Entwicklung von ABM-Kampagnen als eigenständige Disziplin begann in den frühen 2000er Jahren vor dem Hintergrund, dass klassische B2B-Lead-Generation bei komplexen, hochpreisigen Verkaufsprozessen an ihre Grenzen stieß. Don Peppers und Martha Rogers hatten bereits 1993 in ihrem Werk „The One to One Future" (Doubleday, New York) die theoretische Grundlage für individualisiertes Marketing gelegt. Die Übertragung dieser Prinzipien auf den B2B-Kontext mit klar definierten Accounts war der nächste konsequente Schritt. Forrester Research veröffentlichte 2014 eine vielbeachtete Studie, in der die enge Verzahnung von Sales und Marketing als zentraler Erfolgsfaktor für ABM identifiziert wurde. Das Modell der drei Tiers, das heute als Branchenstandard gilt, strukturiert ABM-Kampagnen nach dem Personalisierungsgrad und der Account-Priorität: Tier-1-Kampagnen sind vollständig individualisiert für wenige, strategische Key Accounts mit sehr hohem Umsatzpotenzial; Tier-2-Kampagnen sprechen Cluster ähnlicher Unternehmen mit segmentspezifischen, aber nicht vollständig individualisierten Inhalten an; Tier-3-Kampagnen (auch Programmatic ABM genannt) sind technologiegetrieben und skalieren die Personalisierung auf Hunderte oder Tausende von Target Accounts. Das 2020 von Demandbase und Engagio (gegründet von Jon Miller, Mitgründer von Marketo) vollzogene Merger für 123 Millionen US-Dollar markierte die Reifung des ABM-Technologiemarkts. Im selben Jahr übernahm LinkedIn mit seiner Campaign-Manager-Funktion „Company Targeting" und später „Matched Audiences" eine Schlüsselrolle in der Kanalstrategie, da B2B-Entscheidungsträger hier direkt adressierbar wurden. Eine Analyse von Gartner aus 2022 zeigte, dass Unternehmen mit reifen ABM-Programmen eine um 28 Prozent kürzere Sales-Cycle-Zeit verzeichneten als Unternehmen ohne ABM-Ansatz.

Kampagnentypen nach Tier-Modell

Wichtigste Kanäle und Technologien

Praxistipp: Starten Sie ABM-Kampagnen nicht mit einer großen Account-Liste, sondern mit einem Pilot-Set von 10–20 Tier-1-Accounts. Definieren Sie vor dem Kampagnenstart gemeinsam mit dem Vertrieb, welche Engagement-Signale (z. B. drei oder mehr Website-Besuche einer bestimmten Seite, LinkedIn-Anzeigenklick, Content-Download) als ausreichend qualifiziert gelten, um ein Sales-Gespräch zu initiieren. Nutzen Sie LinkedIn Matched Audiences, um Ihre CRM-Account-Liste direkt in die Werbeaussteuerung zu übertragen, und messen Sie den Erfolg nicht an Lead-Volumen, sondern an Account-Engagement-Score, Pipeline-Wert je Account und tatsächlichem Umsatz aus Target Accounts.