Marketing Glossar

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Lead Management

Definition: Lead Management bezeichnet den systematischen, mehrstufigen Prozess der Gewinnung, Erfassung, Bewertung, Entwicklung und geordneten Übergabe von Interessenten (Leads) vom ersten Kontaktpunkt bis zur abschlussbereiten Übergabe an den Vertrieb. Es stellt die organisatorische und technische Verbindung zwischen Marketing-Aktivitäten (Top of Funnel) und Vertriebsprozessen (Bottom of Funnel) her. Der Begriff „Lead" (englisch für „Hinweis" oder „Spur") beschreibt im Marketing einen Interessenten, der durch eine definierte Aktion – etwa das Ausfüllen eines Formulars, den Download eines Whitepapers oder die Anmeldung für ein Webinar – sein Interesse an einem Produkt oder einer Dienstleistung signalisiert hat. Laut dem „B2B Lead Generation Report" von Demand Gen Report (2023) nennen 68 Prozent der B2B-Marketer Lead Management als ihre oberste strategische Priorität. Die Aberdeen Group ermittelte bereits 2012 in ihrer Studie „Marketing Lead Management", dass Unternehmen mit ausgereiften Lead-Management-Prozessen 133 Prozent mehr Umsatz gegenüber dem Plan erzielen als Unternehmen ohne strukturiertes Lead Management. Forrester Research schätzt, dass bis zu 80 Prozent der generierten Leads niemals zu einem Kauf führen, weil sie nicht angemessen gepflegt und weiterentwickelt werden – ein direkter Hinweis auf die wirtschaftliche Bedeutung professionellen Lead Managements. Der globale Markt für Lead-Management-Software wird laut MarketsandMarkets bis 2026 auf 5,5 Milliarden US-Dollar anwachsen.

Erläuterung

Die konzeptionellen Wurzeln des Lead Managements liegen im industriellen Direktmarketing der 1960er und 1970er Jahre, als Unternehmen erstmals systematisch zwischen „heißen" und „kalten" Interessenten unterschieden. Die theoretische Fundierung des modernen Lead Managements entwickelte sich im Laufe der 1990er Jahre parallel zur Ausbreitung des Internet-Marketings. Die Marktforschungsagentur SiriusDecisions (1999 in Wilton, Connecticut von Tony Jaros und John Neeson gegründet, 2019 von Forrester Research für 245 Millionen US-Dollar übernommen) entwickelte mit dem „SiriusDecisions Demand Waterfall" (2006 erstmalig veröffentlicht) ein branchenweit akzeptiertes Framework, das den Lead-Management-Prozess in klar definierte Stufen – Inquiries, Marketing Qualified Leads, Sales Accepted Leads, Sales Qualified Leads und Closed Deals – unterteilte.

Jon Miller, Mitgründer von Marketo (2006) und später Gründer von Engagio (2015, 2020 von Demandbase übernommen), gilt als einer der einflussreichsten Vordenker des modernen B2B-Lead-Managements. Miller prägte in zahlreichen Whitepapers und Veröffentlichungen den Begriff des „Marketing Qualified Lead" (MQL) als standardisierten Übergabepunkt zwischen Marketing und Vertrieb. Sein Konzept des „Revenue Performance Management" (2011) erweiterte das klassische Lead-Management um Revenue-Attributions- und Return-on-Investment-Messungen.

Anneke Seley und Brent Holloway beschrieben in ihrem Buch „Sales 2.0" (2009, Wiley) den Übergang zu digitalem Lead Management in Vertriebsorganisationen und prägten das Konzept des „Inside Sales", der digitalen Vertriebseinheit, die eng mit dem Marketing-Lead-Management-Prozess verzahnt ist. Heute sind CRM-Systeme und Marketing-Automation-Plattformen die technologische Infrastruktur des Lead Managements: HubSpot veröffentlichte 2023 in seiner „State of Marketing"-Studie, dass Unternehmen, die Marketing Automation für Lead Management nutzen, eine 107 Prozent bessere Lead-Konversionsrate erzielen als Unternehmen ohne Automatisierung.

Phasen des Lead-Management-Prozesses

Kennzahlen im Lead Management

Praxistipp: Erstellen Sie gemeinsam mit Ihrem Vertriebsteam ein schriftliches „Lead Definition Agreement", das eindeutig festlegt, wann ein Kontakt als MQL gilt (spezifische Score-Schwellenwert, Pflichtfelder, Mindest-Engagement-Kriterien) und welche Informationen bei der Übergabe im CRM vorhanden sein müssen. Definieren Sie ein SLA, das vorschreibt, dass MQLs innerhalb von maximal 24 Stunden vom Vertrieb kontaktiert werden müssen – Studien des MIT und InsideSales.com zeigen, dass die Kontaktaufnahme innerhalb von 5 Minuten die Erfolgschancen im Vergleich zu einer Kontaktaufnahme nach 30 Minuten um den Faktor 100 erhöht.