Marketing Glossar

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Lead-Nurturing-Automation

Definition: Lead-Nurturing-Automation (englisch: „to nurture" = pflegen, fördern) bezeichnet den automatisierten Prozess der gezielten Begleitung und schrittweisen Entwicklung von Interessenten entlang ihrer Customer Journey durch relevante, kontextgerechte Inhalte und personalisierte Kommunikation. Das übergeordnete Ziel ist der Aufbau von Vertrauen und Glaubwürdigkeit, um Leads aus frühen Phasen des Kaufprozesses systematisch zur Kaufentscheidung zu führen. Lead-Nurturing ist eng mit dem Konzept des Inbound Marketings verknüpft, das von HubSpot-Gründern Brian Halligan und Dharmesh Shah in ihrem Buch „Inbound Marketing: Get Found Using Google, Social Media, and Blogs" (2009, Wiley) popularisiert wurde. Laut einer Studie der DemandGen Group (2012) kaufen Unternehmen, deren Leads durch strukturierte Nurturing-Programme gepflegt werden, 47 Prozent mehr als Unternehmen ohne Nurturing. Forrester Research errechnete, dass B2B-Unternehmen mit ausgereiften Lead-Nurturing-Prozessen 50 Prozent mehr Sales-Ready-Leads bei 33 Prozent niedrigeren Kosten generieren. Annuitas Group stellte in einer 2015 veröffentlichten Studie fest, dass Unternehmen mit automatisiertem Lead-Nurturing eine Steigerung der qualifizierten Leads um 451 Prozent verzeichnen. Marketo, einer der Pioniere der Marketing-Automation, prägte ab 2006 unter dem Einfluss von Mitgründer Jon Miller das Konzept des „Engagement Marketing" als Weiterentwicklung des klassischen Lead-Nurturing.

Erläuterung

Die konzeptionellen Wurzeln des Lead-Nurturings liegen im Direktmarketing-Konzept des „Drip Marketing", das in den 1970er und 1980er Jahren populär wurde: Interessenten erhielten über einen definierten Zeitraum eine Abfolge von Kommunikationsmaterialien – anfangs per Post, später per Fax und schließlich per E-Mail. Der Begriff „Drip" beschreibt die tröpfchenweise, gleichmäßig dosierte Informationsweitergabe. Der Direktmarketing-Pionier Bob Stone beschrieb in seinem Werk „Successful Direct Marketing Methods" (1975, Crain Books, später Prentice Hall) erstmals systematisch die Bedeutung mehrstufiger Kommunikationssequenzen zur Interessentenentwicklung.

Die Digitalisierung und das Aufkommen von E-Mail-Marketing in den 1990er Jahren beschleunigten die Entwicklung erheblich. Konstantinos Zafeiris und andere Vordenker an der Wharton School of Business der University of Pennsylvania forschten ab 2000 zur Frage, wie unterschiedliche Inhalte zu unterschiedlichen Kaufentscheidungsphasen wirken – Erkenntnisse, die direkt in das Konzept des phasengerechten Nurturing einflossen. Die Kaufentscheidungsphsenmodelle von Derek Rucker und Adam Galinsky (Northwestern University, 2008) sowie das AIDA-Modell (Attention-Interest-Desire-Action) des Werbepsychologen Elias St. Elmo Lewis aus dem Jahr 1898 bilden die inhaltliche Grundlage für die Frage, welche Inhalte in welcher Phase des Kaufprozesses einzusetzen sind.

Die technologische Revolution durch Marketing-Automation ab 2006 machte Lead-Nurturing erstmals skalierbar und verhaltensgesteuert: Statt zeitbasierter Sequenzen konnten nun verhaltensbasierte Trigger – Webseitenbesuche, E-Mail-Öffnungen, Content-Downloads – personalisierte Kommunikation in Echtzeit auslösen. Das Content Marketing Institute, 2007 von Joe Pulizzi in Cleveland gegründet, etablierte parallel dazu die Content-Strategien, die für effektives Lead-Nurturing benötigt werden. Pulizzis Buch „Content Inc." (2015, McGraw-Hill) gilt als Standardwerk für die Verbindung von Content-Strategie und Lead-Nurturing.

Phasengerechte Nurturing-Inhalte

Messung der Nurturing-Effektivität

Praxistipp: Erstellen Sie für jede der drei Hauptphasen der Buyer Journey (Awareness, Consideration, Decision) mindestens einen spezifischen Content-Baustein und bauen Sie daraus eine dreistufige Nurturing-Sequenz mit je 5–7 Tagen Abstand zwischen den E-Mails. Personalisieren Sie Nurturing-E-Mails durch dynamische Felder (Vorname, Branche, heruntergeladener Content) und testen Sie A/B-Varianten von Betreffzeilen, da laut HubSpot-Daten personalisierte Betreffzeilen die Öffnungsrate um 26 Prozent steigern. Überprüfen Sie vierteljährlich die Engagement-Raten jedes Schritts und ersetzen Sie Schritte mit einer Klickrate unter 1 Prozent durch neue Inhalte.