Marketing Glossar

2.413 Fachbegriffe aus 22 Bereichen des Online Marketings

Explorative Forschung

Definition: Explorative Forschung ist ein offener, flexibler Forschungsansatz, der eingesetzt wird, wenn ein Thema, Markt oder Phänomen noch wenig untersucht ist und zunächst ein grundlegendes Verständnis aufgebaut werden muss. Im Gegensatz zur deskriptiven oder kausalen Forschung verfolgt die explorative Forschung keine vorab formulierten, engen Hypothesen, sondern dient der Hypothesengeneration und der Identifikation relevanter Variablen. Sie bietet dem Forschenden maximale methodische Flexibilität, da die Fragestellungen im Verlauf der Untersuchung präzisiert und angepasst werden können. Im Marketing-Kontext wird explorative Forschung typischerweise eingesetzt, wenn ein Unternehmen ein neues Marktsegment erschliessen, ein bisher unbekanntes Kundenproblem verstehen oder die Sprache und Konzepte seiner Zielgruppe kennenlernen möchte, bevor aufwändige quantitative Studien durchgeführt werden. Explorative Forschung bildet damit häufig den ersten Schritt in einem mehrstufigen Forschungsprozess, dem sogenannten Research Funnel, an dessen Ende repräsentative, bestätigende Studien stehen. Charakteristisch sind kleine, bewusst ausgewählte Stichproben, tiefe Einblicke statt statistischer Repräsentativität sowie eine ergebnisoffene Haltung des Forschenden.

Erläuterung

Explorative Forschung bedient sich überwiegend qualitativer Methoden, kann jedoch auch sekundäre Datenquellen und semi-quantitative Ansätze umfassen. Zentraler Bestandteil ist die Offenheit für unerwartete Befunde: Bereits in der Datenerhebung werden neue Themen aufgegriffen, die ursprünglich nicht im Fokus standen. Dies erfordert erfahrene Forscher, die in der Lage sind, spontan auf neue Erkenntnisse einzugehen und ihren Gesprächsleitfaden oder die Beobachtungsstruktur anzupassen. In der Praxis des Online Marketings wird explorative Forschung etwa eingesetzt, um herauszufinden, welche Schmerzpunkte potenzielle Kunden in einer neuen Produktkategorie haben, wie sie über ein Problem sprechen, welche Begriffe sie nutzen und welche Lösungsalternativen sie bereits kennen. Diese qualitativen Erkenntnisse fliessen dann direkt in die Keyword-Recherche, die Gestaltung von Landing Pages und die Botschaftsentwicklung ein. Häufig begegnet man dem Konzept auch als “Discovery Research” oder “Generative Research”, insbesondere im UX-Umfeld. Die Grenzen zwischen explorativer Forschung und deskriptiver Forschung sind fliessend: Deskriptive Studien setzen ein gewisses Vorwissen über das Untersuchungsobjekt voraus und beschreiben es präzise, während explorative Studien dieses Vorwissen erst aufbauen. Saunders, Lewis und Thornhill (2019) beschreiben explorative Forschung als besonders wertvoll in sich schnell verändernden Märkten, in denen bestehende Theorien möglicherweise nicht mehr zutreffen. Auch Malhotra (2020) betont, dass explorative Forschung nicht als minderwertig gegenüber konfirmatorischen Designs zu betrachten ist, sondern als unverzichtbare Grundlage für robuste, valide Folgestudien.

Methoden der explorativen Forschung

Abgrenzung zu anderen Forschungsdesigns

Praxistipp: Setzen Sie explorative Forschung konsequent vor teuren repräsentativen Studien ein, um Fragebögen und Hypothesen auf eine solide empirische Grundlage zu stellen. Führen Sie dafür mindestens fünf bis acht Tiefeninterviews durch: Studien zeigen, dass bereits bei dieser Anzahl ein Grossteil der relevanten Themen gesättigt ist (vgl. Guest, Bunce & Johnson, 2006). Nutzen Sie die Erkenntnisse aus explorativer Forschung auch direkt für Content-Marketing und SEO, indem Sie die Sprache und Formulierungen Ihrer Zielgruppe in Ihre Texte einfliessen lassen.

Ausgewählte Referenzen