Marketing Glossar

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Marktforschung

Definition: Marktforschung ist die systematische Planung, Erhebung, Analyse und Interpretation von Informationen über Märkte, Zielgruppen, Wettbewerber und das Unternehmensumfeld mit dem Ziel, Entscheidungsunsicherheiten zu reduzieren und unternehmerische Handlungen auf eine empirische Grundlage zu stellen. Die American Marketing Association (AMA) definiert Marktforschung als „the function that links the consumer, customer, and public to the marketer through information". Sie umfasst sowohl die Primärforschung, bei der Originaldaten direkt am Markt erhoben werden, als auch die Sekundärforschung, die bereits vorhandene Datenquellen systematisch auswertet. Marktforschung ist ein Kernprozess des Marketingmanagements und fließt in alle vier Bereiche des Marketing-Mix – Produkt, Preis, Kommunikation und Distribution – ein. Im internationalen Vergleich zählen die USA, Deutschland, Großbritannien und China zu den größten Marktforschungsmärkten; der globale Umsatz der Branche überstieg laut ESOMAR Global Market Research Report 2023 erstmals 130 Milliarden US-Dollar.

Erläuterung

Marktforschung folgt einem strukturierten Prozess: Zunächst wird das Forschungsproblem präzise definiert – eine der anspruchsvollsten Phasen, da vage Fragestellungen zu Fehlinvestitionen führen. Darauf aufbauend wird ein Forschungsdesign entwickelt, das festlegt, ob explorative, deskriptive oder kausale Forschung angemessen ist. Explorativ wird geforscht, wenn ein Problem noch wenig verstanden ist; deskriptiv, wenn Häufigkeiten, Verteilungen und Zusammenhänge quantifiziert werden sollen; kausal, wenn Ursache-Wirkungs-Beziehungen (z. B. Wirkung einer Werbemaßnahme auf den Umsatz) nachgewiesen werden müssen (vgl. Malhotra, Marketing Research: An Applied Orientation, 7. Aufl. 2019).

Die Methoden der Datenerhebung sind vielfältig: Quantitative Methoden wie Online-Befragungen, Telefoninterviews (CATI), Face-to-Face-Interviews (CAPI) und schriftliche Befragungen liefern statistisch auswertbare Daten. Qualitative Methoden wie Tiefeninterviews, Fokusgruppen und ethnografische Beobachtungen ermöglichen tiefes Verständnis von Einstellungen, Motiven und latenten Bedürfnissen. Im digitalen Marketing sind Verhaltensdaten aus Web-Analytics-Systemen, A/B-Tests und Clickstream-Analysen zu eigenständigen Primärdaten geworden, die klassische Befragungsdaten ergänzen oder ersetzen können.

Die Gütekriterien einer Marktforschungsstudie – Validität, Reliabilität und Objektivität – bestimmen maßgeblich die Verwendbarkeit der Ergebnisse. Validität prüft, ob tatsächlich das gemessen wurde, was gemessen werden sollte; Reliabilität beschreibt die Zuverlässigkeit und Reproduzierbarkeit der Ergebnisse; Objektivität sichert, dass die Ergebnisse unabhängig vom Forscher sind. Das ICC/ESOMAR International Code on Market, Opinion and Social Research and Data Analytics (2016) legt ethische Mindeststandards für die globale Forschungspraxis fest.

Forschungstypen nach Methodik

Forschungstypen nach Zeitperspektive

Praxistipp: Definieren Sie vor jeder Studie klar die zentrale Forschungsfrage, die zu treffende Entscheidung und was ein „gutes" Ergebnis sein soll – diese drei Punkte müssen konsistent sein. Beginnen Sie mit kostengünstiger Sekundärforschung, bevor Sie in eigene Primärerhebungen investieren: Oft lassen sich 60–70 % der benötigten Informationen aus vorhandenen Quellen gewinnen. Planen Sie außerdem frühzeitig die Analysemethode ein, denn viele Fragebogendesigns scheitern daran, dass später benötigte statistische Auswertungen durch falsch skalierte Fragen unmöglich werden.