Marktgröße
Definition: Die Marktgröße (auch Marktumfang oder Marktvolumen im weiteren Sinne) bezeichnet den Gesamtumfang eines klar abgegrenzten Marktes, typischerweise ausgedrückt als kumulierter Umsatz aller Anbieter in einer Periode (wertmäßige Marktgröße in Euro oder US-Dollar), als verkaufte Gesamtmenge (mengenmäßige Marktgröße in Stück, Liter, Tonnen etc.) oder als Anzahl der Marktteilnehmer auf Anbieter- und Nachfragerseite. Die Marktgröße bezieht sich stets auf eine klar definierte räumliche Abgrenzung (lokal, national, regional, global), einen Zeitraum (meist ein Kalenderjahr) und eine inhaltliche Marktdefinition (enge oder weite Branchenabgrenzung). Sie bildet die Grundlage für die Berechnung von Marktanteilen, die Bewertung von Wachstumschancen und die Priorisierung strategischer Investitionen. Investoren, Unternehmensberater und Strategieabteilungen nutzen Marktgrößenschätzungen als Kernkennzahl bei der Beurteilung von Geschäftsmodellen, Markteintrittsentscheidungen und M&A-Transaktionen.
Erläuterung
Das in der Start-up- und Investorenwelt am häufigsten verwendete Rahmenwerk zur strukturierten Darstellung von Marktgrößen ist das TAM-SAM-SOM-Modell: Der Total Addressable Market (TAM) beschreibt den theoretischen Gesamtmarkt, den ein Produkt oder eine Dienstleistung bedienen könnte, wenn es keine geografischen, technischen oder vertrieblichen Einschränkungen gäbe. Der Serviceable Addressable Market (SAM) schränkt den TAM auf das realistisch erreichbare Marktsegment ein, das zum aktuellen Geschäftsmodell und den verfügbaren Vertriebskanälen passt. Der Serviceable Obtainable Market (SOM) ist schließlich der Marktanteil, den ein Unternehmen im Planungszeitraum realistisch gewinnen kann, unter Berücksichtigung der Wettbewerbsintensität und der eigenen Ressourcen (vgl. Osterwalder/Pigneur, Business Model Generation, 2010).
Methoden zur Schätzung der Marktgröße lassen sich grundlegend in Top-down- und Bottom-up-Ansätze unterteilen. Der Top-down-Ansatz startet bei einer bekannten Gesamtmarktzahl aus Branchenberichten (z. B. von Statista, IBISWorld, Grand View Research oder Euromonitor) und leitet durch schrittweise Eingrenzung das relevante Segment ab. Der Bottom-up-Ansatz kalkuliert die Marktgröße aus Einzelwerten: Anzahl der potenziellen Kunden multipliziert mit der durchschnittlichen Ausgabe pro Kunde ergibt das Gesamtpotenzial. Eine dritte Methode ist die Analogieschätzung, bei der die Marktgröße eines ähnlichen, besser bekannten Marktes als Referenzgröße herangezogen wird – besonders bei der Beurteilung neuer Kategorien sinnvoll.
Die Qualität jeder Marktgrößenschätzung hängt direkt von der Präzision der Marktdefinition ab. Eine zu weite Abgrenzung (z. B. „globaler Software-Markt") führt zu astronomischen, unbrauchbaren Zahlen; eine zu enge Definition (z. B. „CRM-Software für mittelständische Handwerksbetriebe in Bayern") liefert möglicherweise keine verlässlichen Datenquellen. Researcher empfehlen, den Markt entlang mehrerer Dimensionen zu definieren: Produkt/Leistung, Kundensegment, Geografie und Zeitraum (vgl. Kotler/Keller, Marketing Management, 15. Aufl. 2016).
TAM-SAM-SOM-Modell im Detail
- TAM (Total Addressable Market): Der theoretische Gesamtmarkt ohne jegliche Einschränkungen; dient als Orientierungsrahmen für das maximale Marktpotenzial und wird oft aus globalen Branchenberichten abgeleitet.
- SAM (Serviceable Addressable Market): Der erreichbare Markt unter Berücksichtigung des aktuellen Geschäftsmodells, der Geografie und der Zielkundendefinition; typischerweise 10–30 % des TAM.
- SOM (Serviceable Obtainable Market): Der realistische Zielmarktanteil im Planungshorizont (z. B. 3–5 Jahre); Grundlage für Umsatzprojektionen und Investorenberichte.
Methoden zur Marktgrößenschätzung
- Top-down aus Branchenberichten: Nutzung von Marktstudien kommerzieller Anbieter (Statista, Euromonitor, GfK, Nielsen) als Ausgangsbasis, mit anschließender Segmentierungsableitung.
- Bottom-up-Kalkulation: Multiplikation von Zielkunden-Anzahl × Kaufhäufigkeit × Durchschnittsbon; methodisch transparent und gut nachvollziehbar für Investoren.
- Analogieschätzung: Übertragung von Marktdaten aus vergleichbaren Märkten (geografisch oder kategorisch) auf den Zielmarkt unter Berücksichtigung von Anpassungsfaktoren.
- Expertenbefragung (Delphi-Methode): Strukturierte Befragungsrunden mit Branchenexperten zur Konsensbildung bei unsicherer Datenlage, besonders für neue oder fragmentierte Märkte geeignet.
- Regressions- und ökonometrische Modelle: Statistische Ableitung der Marktgröße aus makroökonomischen Treiberdaten (BIP, verfügbares Einkommen, demografische Indikatoren).