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Van-Westendorp-Preisanalyse

Definition: Die Van-Westendorp-Preissensitivitätsanalyse (PSM, Price Sensitivity Meter) ist eine Befragungsmethode zur Ermittlung des akzeptablen Preisbereichs und psychologischer Preisschwellen für ein Produkt oder eine Dienstleistung. Die Methode wurde in den frühen 1970er Jahren vom niederländischen Wirtschaftswissenschaftler Peter van Westendorp entwickelt und stützt sich auf vier standardisierte offene Preisfragen, bei denen Befragte selbst Preispunkte für vier Preiswahrnehmungskategorien angeben: Zu welchem Preis ist das Produkt so günstig, dass Sie an seiner Qualität zweifeln würden? (zu günstig) – Zu welchem Preis ist das Produkt ein gutes Preis-Leistungs-Angebot? (günstig/Schnäppchen) – Zu welchem Preis beginnen Sie das Produkt als teuer wahrzunehmen, würden es aber noch kaufen? (teuer, aber akzeptabel) – Zu welchem Preis ist das Produkt so teuer, dass Sie es definitiv nicht kaufen würden? (zu teuer/inakzeptabel). Durch Kreuzung der kumulativen Häufigkeitskurven dieser vier Fragen wird der akzeptable Preisbereich sowie zwei Preispunkte besonderer strategischer Bedeutung identifiziert.

Erläuterung

Die Auswertung der Van-Westendorp-Analyse erfolgt grafisch: Für jede der vier Fragen wird die kumulative Häufigkeitskurve der genannten Preise geplottet. Da die Fragen "zu günstig" und "günstig" in umgekehrter Richtung verlaufen (mehr Befragte nennen "zu günstig" bei niedrigen Preisen), werden die Kurven "zu günstig" und "günstig" invers dargestellt.

Die Schnittpunkte der Kurven definieren vier zentrale Preispunkte: Der Acceptable Price Range (APR) – der akzeptable Preisbereich – liegt zwischen dem Punkt, wo sich "zu günstig" und "teuer" schneiden (untere Preisgrenze) und dem Punkt, wo sich "günstig" und "zu teuer" schneiden (obere Preisgrenze). Innerhalb dieses Bereichs ist der Preis für die größte Kauferbereitschaft akzeptabel. Der Point of Marginal Cheapness (PMC) ist der Schnittpunkt von "zu günstig" und "nicht zu teuer" – unterhalb dieses Preises überwiegen Qualitätszweifel. Der Point of Marginal Expensiveness (PME) ist der Schnittpunkt von "nicht zu günstig" und "zu teuer" – oberhalb dieses Preises überwiegen Preiseinwände. Der Indifference Price Point (IDP) – Schnittpunkt von "günstig" und "teuer" – ist der Preis, den die meisten Befragten als "weder zu günstig noch zu teuer" empfinden; er entspricht oft dem Marktdurchschnittspreis.

Die Van-Westendorp-Methode zeichnet sich durch mehrere Stärken aus: Sie ist einfach in die Befragung zu integrieren (nur vier Fragen), liefert direkt handlungsrelevante Preisbereiche ohne komplexe Modellierung, berücksichtigt beide Seiten der Preiswahrnehmung (Qualitätssignalwirkung bei zu niedrigen Preisen und Kaufschwellen bei zu hohen Preisen) und eignet sich besonders gut für neue Produkte ohne Referenzpreise im Markt sowie für Dienstleistungen mit hohem Ermessensspielraum.

Gleichzeitig hat die Methode bekannte Grenzen: Sie berücksichtigt keine Wettbewerbspreise (Befragte nennen Preise unabhängig von Konkurrenzangeboten) und misst Preiswahrnehmung, nicht tatsächliche Kaufbereitschaft – der Schritt von "teuer, aber akzeptabel" zur tatsächlichen Kaufentscheidung ist bei realen Alternativen oft größer als in der hypothetischen Befragungssituation. Zudem neigen Befragte dazu, sozial erwünschte Antworten zu geben und unterschätzen häufig den tatsächlichen Marktpreis. Diese Grenzen machen eine Validierung mit verhaltensnäheren Methoden (Gabor-Granger, Conjoint-Analyse, Preis-Experiments) ratsam.

Referenzen: Van Westendorp (1976): "NSS – Price Sensitivity Meter (PSM): A New Approach to Study Consumer Perception of Price". Proceedings of the ESOMAR Congress. – Nagle/Müller (2018): "The Strategy and Tactics of Pricing". Routledge. – Smith (1986): "Contribution Margin Analysis: No Longer Relevant / Strategic Cost Management: The New Paradigm". Journal of Management Accounting Research. – Gabor/Granger (1966): "Price as an Indicator of Quality". Economica. – Homburg/Jensen/Kuester (2012): "Willingness to Pay Estimation". Journal of Marketing Research.

Die vier Kernfragen im Detail

Einsatzgebiete und Methodik-Ergänzungen

Praxistipp: Zeigen Sie Befragten immer ein konkretes Produktkonzept oder einen Prototyp, bevor Sie die Preisfragen stellen – abstrakte Kategorienbezeichnungen führen zu unrealistischen Preisangaben. Achten Sie darauf, die Fragen in der empfohlenen Reihenfolge zu stellen (nicht in Reihenfolge der Preisankerpunkte), um Reihenfolgeeffekte zu minimieren. Validieren Sie die Van-Westendorp-Ergebnisse stets mit einer verhaltensnäheren Methode: Bei digitalem Vertrieb bieten sich Preis-A/B-Tests an; bei physischen Produkten ist die Conjoint-Analyse die methodisch robustere Ergänzung.