Marketing Glossar

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Augmented Reality Marketing

Definition: Augmented Reality Marketing (AR-Marketing) bezeichnet den strategischen Einsatz von Augmented-Reality-Technologie – also der computergestützten Überlagerung der realen Welt mit digitalen Bildern, Animationen und Informationen – zu Marketingzwecken auf Social-Media-Plattformen und in anderen digitalen Kanälen. AR-Marketing ermöglicht es Marken, interaktive und immersive Erlebnisse zu schaffen, ohne dass Nutzer spezielle Hardware benötigen: Ein Smartphone und die entsprechende App oder Plattform genügen. Auf Social Media manifestiert sich AR-Marketing primär in drei Formen: erstens als Branded Filters und Lenses auf Instagram (Spark AR Studio), Snapchat (Lens Studio) und TikTok (Effect House), die Nutzer in ihren Stories und Videos verwenden können; zweitens als Virtual Try-On-Features, bei denen Konsumenten Produkte wie Brillen (Warby Parker, Mister Spex), Schmuck, Make-up (NYX, L'Oréal Paris mit ihrer AR-Beauty-App) oder Schuhe virtuell anprobieren können; drittens als interaktive AR-Anzeigenformate, die Plattformen wie Snapchat als Sponsored Lenses und Instagram als AR Ads anbieten. Snapchat, das 2015 mit seiner Linse-Funktion Pionierarbeit leistete, verzeichnete laut eigenen Angaben bereits 2020 täglich über 180 Millionen Nutzer, die mit AR-Funktionen interagierten. Meta stellte Spark AR 2017 als offene Plattform für alle Entwickler frei, woraufhin über 700.000 Effekte entstanden, die zusammen bis Ende 2022 mehr als 700 Milliarden Mal verwendet wurden. TikTok folgte 2021 mit Effect House und ermöglichte so auch auf der Kurzvideoplatform eigene branded AR-Erfahrungen. Die Messung von AR-Marketing-Kampagnen erfolgt über plattformspezifische Metriken: Impressionen des Filters (wie oft er gesehen wurde), Captures oder Uses (wie oft er aktiv genutzt wurde), Shares (wie oft Inhalte mit dem Filter geteilt wurden) sowie daraus abgeleitete Reichweite und Earned-Media-Value. AR-Marketing eignet sich besonders für Produkte mit starkem visuellem Charakter sowie für Marken, die ein junges, technikaffines Publikum ansprechen wollen; die höchsten Engagement-Raten erzielen AR-Erfahrungen, die unterhaltsam, spielerisch und teilenswert gestaltet sind – nicht solche, die primär Werbebotschaften transportieren.

Erläuterung

Die Wurzeln des AR-Marketings liegen in den frühen 2010er-Jahren, als QR-Code-basierte AR-Experimente erste Aufmerksamkeit erregten. Der eigentliche Durchbruch kam 2016 mit dem globalen Pokémon-Go-Phänomen, das zeigte, wie groß das Interesse der Öffentlichkeit an standortbezogenen AR-Erlebnissen war. Für Social-Media-Plattformen war Snapchat der Vorreiter: Das Unternehmen führte 2015 die Face-Lenses ein und bot ab 2016 Sponsored Lenses als Werbeformat an; Gatorade zahlte 2016 für eine Super-Bowl-Sponsored-Lens, die 165 Millionen Mal gespielt wurde und einen Earned-Media-Value von schätzungsweise 30 Millionen US-Dollar generierte (Quelle: Snapchat Pressemitteilung 2016). Instagram und Facebook (heute Meta) zogen 2017 mit Face Filters in Stories nach und öffneten Spark AR Studio 2019 für alle Creator und Marken. TikTok ergänzte das Ökosystem ab 2021 mit Effect House.

Technologisch basieren Social-Media-AR-Filter auf Gesichtserkennung und -tracking, Objekterkennung sowie 3D-Rendering in Echtzeit, das direkt im Smartphone-Prozessor berechnet wird. Fortgeschrittenere Anwendungen nutzen LiDAR-Sensoren neuerer iPhones für präziseres Raumtracking. Im E-Commerce reduziert Virtual Try-On-AR nachweislich Retouren: Eine Studie von Shopify (2022) ergab, dass Produkte mit 3D/AR-Darstellung eine 94 % höhere Conversion-Rate und 40 % weniger Retouren verzeichneten als Produkte ohne diese Funktion. Für Brillenhersteller wie Specsavers oder Mister Spex bedeutet virtuelles Anprobieren via Smartphone-Kamera eine erhebliche Absenkung der Kaufhürde im E-Commerce.

AR-Formate auf Social-Media-Plattformen

Erfolgsfaktoren und Messung

Praxistipp: Entwickeln Sie einen branded Instagram-Filter, der zum Kernprodukt oder Markenerlebnis passt und primär Spaß macht – nicht Werbung ist. Beauftragen Sie einen zertifizierten Spark-AR-Creator (Meta führt ein offizielles Verzeichnis) oder lassen Sie den Filter durch einen internen Designer im kostenlosen Meta Spark Studio entwickeln. Promoten Sie den Filter aktiv, indem Sie Ihr Marken-Account als erster nutzt und Influencer einlädt, ihn in ihren Stories zu verwenden. Messen Sie nach vier Wochen die Captures und Shares und adjustieren Sie auf Basis der Daten, ob eine bezahlte Bewerbung als AR Ad sinnvoll ist.