Marketing Glossar

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Empty State

Definition: Ein Empty State (Leerzustand) bezeichnet den geplanten UI-Zustand einer Benutzeroberfläche wenn ein Inhaltsbereich keine Daten oder Inhalte anzeigt. Empty States sind kritische Touchpoints im User Experience Design weil sie häufig als «Nicht-Zustand» ignoriert und damit als weiße leere Fläche gerendert werden – was zu Desorientierung und Abbrüchen führt. Empty-State-Typen nach Auslöser: First-Use / Onboarding Empty State (Nutzer hat die Funktion noch nie verwendet; Daten wurden noch nicht angelegt; z.B. leere Projekte-Liste; leeres Dashboard; neues CRM ohne Kontakte); No-Results Empty State (Such-/Filterergebnis ist leer; keine Treffer für Suchbegriff oder Filterauswahl; kritischer UX-Moment); User-Cleared Empty State (Nutzer hat Inhalte bewusst gelöscht oder geleert; z.B. Warenkorb nach Bestellung; Inbox nach Archivierung); Error-State als Empty-State-Variante (technischer Fehler verhindert Inhaltsladen; muss klar als Fehler kommuniziert werden; Retry-Option zwingend); Strukturelemente eines guten Empty State: visuelles Element (Illustration, Icon oder Foto); Überschrift (Was ist leer? Warum?); Erklärungstext (kurz; was kann der Nutzer tun?); primärer CTA-Button (klare erste Handlung vorschlagen).

Erläuterung

Scott Hurff (Product Designer; San Diego; «Designing Products People Love», O'Reilly Media, 2015; Artikel «How to design the perfect empty state» auf scotthurff.com, 2015) formulierte das strukturelle Framework für Empty States das in der UX-Community zum Referenzstandard wurde: Empty States sind keine Fehler sondern geplante Produktzustände die Nutzer zu der nächsten sinnvollen Handlung führen sollen. Hurff unterschied drei Kern-Szenarien (Onboarding, Clearinghouse/User-Action, No-Results) und etablierte das Prinzip dass jedes Szenario einen unterschiedlichen emotionalen Kontext und damit unterschiedliche UI-Reaktion erfordert: ein Onboarding-Empty-State soll motivieren; ein No-Results-State soll nicht frustrieren; ein After-Deletion-State kann bestätigend sein. Baymard Institute (2023, «Search UX Study»; Analyse von über 50 E-Commerce-Sites): 27% aller E-Commerce-Suchergebnisse enden in einem Null-Treffer; die häufigste Reaktion auf Null-Treffer-Seiten ist sofortiger Siteabbruch (42% der Nutzer verlassen die Site); Sites die lediglich «Keine Ergebnisse gefunden» anzeigen ohne Alternativen, haben 3× höhere Abbruchraten als Sites mit Empfehlungsalternativen (ähnliche Produkte, populäre Kategorien, Rechtschreibkorrektur). NNGroup (Kate Moran, 2020) quantifizierte durch Nutzerstudien dass visuelle Illustrationen in Empty States die Verweildauer auf der Seite erhöhen und die emotionale Bewertung («Diese App macht Spaß» vs. «Diese App ist kaputt») signifikant verbessern – leere weiße Flächen werden als technische Fehler interpretiert, gestaltete Empty States als absichtlicher Produktzustand. Mailchimp und Slack wurden in der UX-Community als Paradebeispiele für kreative First-Use-Empty-States bekannt: Mailchimp zeigte anfangs seinen illustrierten Affen Freddie Caricature mit aufmunternden Nachrichten auf leeren Dashboard-Zuständen; Slack setzte auf welcoming Copy und direkte Onboarding-Aktionen um die initiale App-Erfahrung zu verbessern. Maria Matarelli (Scrum Alliance) und Teresa Torres (Product Discovery Coach; «Continuous Discovery Habits», Product Talk Press, 2021) betonen dass Empty States besonders für den Product-Led-Growth-Ansatz kritisch sind: ob ein neuer Nutzer die erste Wertschöpfung («Aha-Moment») erlebt hängt massiv davon ab wie Empty States ihn durch die ersten Schritte führen.

Empty-State-Typen im Detail

Visuelles Design, E-Commerce-Anwendung und Checkliste

Praxistipp: Machen Sie einen «Empty State Audit»: Gehen Sie durch Ihre gesamte Anwendung und suchen Sie jeden Bereich der leer sein kann – Suchergebnisse, Listen, Dashboard-Widgets, Warenkörbe, Favoriten, Postfächer. Für jeden gefundenen leeren Zustand fragen Sie: (1) Welche Aktion soll der Nutzer als nächstes tun? (2) Warum ist dieser Bereich leer? Diese zwei Fragen liefern Ihnen CTA und Erklärungstext für jeden Empty State. Leere Zustände als weiße Flächen zu lassen ist eine verpasste Chance: Empty States sind der Moment größter Nutzeraufmerksamkeit und idealer Zeitpunkt für Onboarding, Upsells oder Engagement-Impulse.