Marketing Glossar

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Onboarding (UX)

Definition: Onboarding (auch: User Onboarding, FTUE – First Time User Experience, New User Experience) ist der gestalterische Prozess durch den neue Nutzer in eine Website, App oder Software eingeführt werden – von der Registrierung/Erstinstallation bis zum ersten bedeutsamen Erlebnis des Kernwerts des Produkts (Aha-Moment). Onboarding-Ziele: Aktivierung (Nutzer führen die erste wertbringende Aktion durch); Time-to-Value reduzieren (wie schnell erlebt der Nutzer den Mehrwert?); Retention steigern (gut onboarded Nutzer bleiben länger); Churn durch frühe Frustration verhindern. Onboarding-Phasen: Registrierung (Signup-Flow; Formulare; Social Login; E-Mail-Verifizierung); Setup (erste Konfigurationsschritte; Profil; Präferenzen); Aha-Moment (erste wertbringende Aktion; Kern-Feature-Erlebnis); Habitbildung (regelmäßige Nutzungsgewohnheit durch Trigger, Reward, Routine nach Nir Eyal «Hooked», Portfolio Penguin, 2014). Onboarding-Patterns: Product-Tour (geführte Schritt-für-Schritt-Einführung via Tooltip-Overlays); Interaktive Checkliste (Aufgabenliste mit Fortschrittsanzeige; Nutzer entscheiden Tempo); Empty State Onboarding (leere Produktzustände als Einladung zur ersten Aktion); Onboarding-Video (kurze Einführung für komplexe Produkte); Contextual Tooltips (Erklärungen direkt am Interface-Element wenn relevant); Welcome-Screens (Personalisierungsfragen beim ersten Login); E-Mail-Onboarding-Sequenz (begleitende Emails in den ersten 30 Tagen). Wyzowl State of Customer Onboarding 2024: 86% der Nutzer bleiben einem Unternehmen treu wenn es exzellentes Onboarding bietet; 74% der Nutzer haben ein Produkt aufgrund von schlechtem Onboarding aufgegeben.

Erläuterung

Das Konzept des strukturierten User Onboardings entstammt der SaaS-Wachstumsbewegung der frühen 2010er Jahre. Chamath Palihapitiya (Facebook; Head of User Growth; Menlo Park; CA; 2007–2011; später Social Capital; Palo Alto; CA) popularisierte den Begriff «Aha-Moment» im Growth-Kontext: Facebook stellte 2007 fest dass Nutzer die innerhalb von 10 Tagen nach der Registrierung 7 Freunde hinzugefügt hatten mit signifikant höherer Wahrscheinlichkeit langfristig aktiv blieben – diese Erkenntnis definierte den Facebook-Aha-Moment und leitete Onboarding-Optimierungen ein die auf das Erreichen dieser 7-Freunde-Schwelle abzielten; Palihapitiya präsentierte diese Erkenntnisse auf der Startup Lessons Learned-Konferenz (Eric Ries; San Francisco; 2009) und beeinflusste damit die gesamte Growth-Hacking-Bewegung. Andrew Chen (Andreessen Horowitz; Menlo Park; CA; früher Uber; San Francisco; Growth-Autor; andrewchen.com) und Brian Balfour (HubSpot; Cambridge; MA; Reforge; San Francisco; CA) entwickelten die Growth-Engineering-Perspektive auf Onboarding: Onboarding als kritisches Glied in der Activation-Conversion-Retention-Chain (AARRR-Framework; Dave McClure; 500 Startups; Mountain View; CA; «Startup Metrics for Pirates»; 2007); Activation-Rate (Anteil der registrierten Nutzer die den Aha-Moment erreichen) als primäre Onboarding-Kennzahl. Samuel Hulick (Portland; OR; useronboard.com; «The Elements of User Onboarding», Smashwords, 2014) etablierte User Onboarding als eigenständige UX-Disziplin: sein «User Onboarding Teardown»-Format analysiert Onboarding-Flows großer Produkte Schritt für Schritt; Hulick's Kernthese: Nutzer kaufen kein Produkt sondern eine bessere Version von sich selbst («They don't want a drill, they want a hole in the wall»; Charles Revson-Variante); gutes Onboarding hilft dem Nutzer die bessere Version von sich zu werden nicht das Produkt zu erlernen. Lincoln Murphy (Gainsight; Redwood City; CA; SaaS-Customer-Success-Experte; sixteenventures.com) definierte das Verhältnis von Onboarding zu Customer Success: Onboarding-Misserfolg ist die häufigste Ursache für SaaS-Churn in den ersten 30 Tagen; Murphy's Formel: «Desired Outcome = Appropriate Success + Required Outcome»; Onboarding muss den Nutzer zum Desired Outcome führen nicht nur Features zeigen. Das Product-Led Growth-Bewegung (Blake Bartlett; OpenView Partners; Boston; MA; «Product-Led Growth: How to Build a Product That Sells Itself», ProductLed, 2019) verlagerte Onboarding-Verantwortung vom Sales-Team zum Produkt selbst: bei Product-Led Companies wie Slack (Stewart Butterfield; San Francisco; CA; gegründet 2013) und Notion (Ivan Zhao/Simon Last; San Francisco; CA; gegründet 2013) führt das Produkt selbst durch Onboarding ohne menschliche Sales-Interaktion; Onboarding-Design wird damit zu einem direkten Umsatz-Faktor.

Onboarding-Patterns und UX-Design

E-Mail-Onboarding, Personalisierung und Product-Led Growth

Praxistipp: Identifizieren Sie zuerst Ihren Aha-Moment bevor Sie das Onboarding designen. Analysieren Sie in Google Analytics 4, Amplitude oder Mixpanel: welche Aktion in den ersten 7 Tagen korreliert am stärksten mit 30-Tage-Retention? Das ist Ihr Aha-Moment. Dann gestalten Sie Ihr Onboarding so dass jeder Schritt direkt auf diesen einen Moment hinführt – und streichen Sie alles was keinen Beitrag leistet. Zwanzig-Schritte-Product-Tours die alle Features vorstellen sind das Gegenteil von gutem Onboarding: sie versuchen alles zu erklären und helfen dem Nutzer bei nichts.