Marketing Glossar

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Sitemap (UX)

Definition: Eine Sitemap im UX-Kontext (auch: UX-Sitemap, Navigationsdiagramm, Site-Struktur-Diagramm) ist eine visuelle Darstellung der Seitenstruktur und Hierarchie einer Website oder Anwendung die alle Seiten und deren Beziehungen zueinander zeigt – als Planungswerkzeug der Informationsarchitektur-Phase. Im Unterschied zur XML-Sitemap für Suchmaschinen (technisches Format; sitemaps.org-Protokoll; für Crawl-Effizienz) ist die UX-Sitemap ein Kommunikations- und Planungsdokument für Designer, Entwickler und Stakeholder. UX-Sitemap-Bestandteile: Seiten-Knoten (Rechtecke/Boxen für jede Seite oder Ansicht mit Seitenname und optionaler Seitennummer); Hierarchie-Ebenen (Level 0 = Homepage; Level 1 = Hauptkategorien; Level 2 = Unterseiten; Level 3+ = Tiefere Ebenen); Verbindungslinien (zeigen Eltern-Kind-Beziehungen und Navigation); Inhaltstyp-Kennzeichnung (Farben oder Icons für statische Seiten, dynamische Listen, Templates, externe Links, Modals); Gruppierungsklammern für gleiche Template-Typen (z.B. alle Produktdetailseiten = ein Template). UX-Sitemap-Informationen: Gesamtumfang (Anzahl Seiten); Navigation-Tiefe (wie viele Klicks von Homepage zu tiefster Seite); Informationsarchitektur-Struktur (flach vs. tief); Content-Lücken (Seiten die noch kein Content haben); Redundanzen (Seiten die zusammengelegt werden könnten); Template-Anzahl (wie viele verschiedene Page-Types werden benötigt).

Erläuterung

Peter Morville (University of Michigan School of Information; Ann Arbor; MI; Semantic Studios; Ann Arbor; MI) und Louis Rosenfeld (Rosenfeld Media; Brooklyn; NY; ehemals University of Michigan) begründeten die Praxis der UX-Sitemap als formales Informationsarchitektur-Werkzeug durch ihr einflussreiches «Information Architecture for the World Wide Web» (O'Reilly Media; 1998; Spitzname «Polar Bear Book» wegen Buchumschlag; vierte Auflage 2015): Morville und Rosenfeld definierten Informationsarchitektur als die Strukturierung und Organisation von Informationen um Findbarkeit und Verständlichkeit zu maximieren; die UX-Sitemap ist das primäre Diagrammwerkzeug für diese strukturelle Planung; ihr Framework umfasst Organisation (wie Inhalte gruppiert werden), Labeling (wie Kategorien benannt werden), Navigation (wie zwischen Inhalten navigiert wird) und Search (wie Inhalte gesucht werden). Jesse James Garrett (San Francisco; CA; «The Elements of User Experience», New Riders, 2000/2011; Ajax-Erfinder-Essay 2005) systematisierte in «The Elements of User Experience» die fünf Schichten des UX-Design (Strategy, Scope, Structure, Skeleton, Surface) und platzierte die Informationsarchitektur auf der Structure-Ebene: die Sitemap ist das primäre Deliverable der Structure-Phase; Garrett entwickelte auch eine weit verbreitete Sitemap-Notation (veröffentlicht 2002 unter Creative-Commons-Lizenz) die Symbole für Seiten, externe Seiten, Dateien, Bereiche und Verbindungstypen definiert. George A. Miller (Harvard University; Cambridge; MA; dann Princeton University; Princeton; NJ; «The Magical Number Seven, Plus or Minus Two: Some Limits on our Capacity for Processing Information», Psychological Review, 1956) lieferte die kognitionspsychologische Grundlage für Navigationsbreite: Miller's Law beschreibt die Kapazität des Kurzzeitgedächtnisses als 7±2 Chunks; auf Navigation angewendet: Top-Level-Navigationspunkte sollten 5–9 Elemente nicht überschreiten um innerhalb der Verarbeitungskapazität zu bleiben; diese Regel beeinflusst direkt Sitemap-Entscheidungen über Navigation-Breite. Donna Spencer (Sydney; Australien; UX-Informationsarchitektin; «Card Sorting: Designing Usable Categories», Rosenfeld Media, 2009) entwickelte Card-Sorting-Methodik als empirische Grundlage für Sitemap-Entscheidungen: offenes Card Sorting (Nutzer gruppieren Inhalte selbst) zeigt mentale Modelle der Zielgruppe; geschlossenes Card Sorting (Nutzer sortieren Inhalte in vorgegebene Kategorien) validiert vorhandene Sitemap-Strukturen; Tree Testing (Baumtest; Peter van Schaik et al.; auch «Reverse Card Sort»; UserZoom/Treejack; OptimalWorkshop; Wellington; Neuseeland) validiert Navigierbarkeit einer fertigen Sitemap-Hierarchie durch Aufgaben-basierte Navigation ohne Interface; Tree-Test-Benchmark: «Directness» (erste Navigationsentscheidung korrekt?) und «Success» (Zielseite gefunden?) als Metriken. Gerry McGovern (Dublin; Irland; «Killer Web Content», A&C Black, 2006; «Top Tasks: A How-to Guide», Silver Beach Publishing, 2018) zeigte durch Top-Task-Analysen an über 100 Unternehmenswebsites dass typischerweise 3–5 Aufgaben (aus 50–100 möglichen) 25–30% aller Nutzerbesuche ausmachen; Implikation für Sitemap: High-Traffic-Seiten müssen in Hierarchie-Ebene 1 oder 2 stehen; Low-Traffic-Seiten dürfen tiefer stehen.

UX-Sitemap-Erstellung und Methodik

Sitemap-Typen und spezielle Anwendungsfälle

Praxistipp: Erstellen Sie Ihre UX-Sitemap immer vor den ersten Wireframes – und führen Sie einen kurzen Tree-Test durch bevor Sie in die Wireframe-Phase einsteigen. Dafür reichen 10–20 Testpersonen und 5–7 Aufgaben mit einem Tool wie Optimal Workshop Treejack (kostenlose Testversion verfügbar). Wenn weniger als 80% der Nutzer ihre Aufgaben finden, lohnt sich die Überarbeitung der Sitemap-Struktur jetzt – denn Strukturänderungen an fertigen Wireframes kosten das Zehnfache. Nummerieren Sie jede Seite in Ihrer Sitemap (1.0, 1.1, 1.1.1) – diese Nummern werden Ihre gemeinsame Sprache mit Entwicklern in User-Stories, Sprint-Planning und Übergabe-Dokumenten.