Marketing Glossar

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User Experience (UX)

Definition: User Experience (UX; Nutzererfahrung; Nutzererlebnis) bezeichnet die Gesamtheit aller Wahrnehmungen, Reaktionen und Ergebnisse einer Person die aus der tatsächlichen oder erwarteten Nutzung eines Produkts, Systems oder einer Dienstleistung resultieren – Definition nach ISO 9241-210:2010 «Ergonomics of Human-System Interaction». UX umfasst alle Emotionen, Überzeugungen, Vorlieben, Verhaltensweisen und Leistungen die vor, während und nach der Nutzung entstehen. UX vs. Usability: Usability = Teilmenge von UX die Effektivität/Effizienz/Zufriedenheit bei der Nutzung misst; UX = breiteres Konstrukt das auch Aspekte wie Desirability (Ästhetik; Begehrenswürdigkeit), Trust (Vertrauenswürdigkeit), Findability (Auffindbarkeit), Accessibility (Barrierefreiheit), Credibility (Glaubwürdigkeit) und Value (Mehrwert für Nutzer) umfasst. UX-Design-Kernaktivitäten: User Research (Nutzerforschung; Interviews; Surveys; Contextual Inquiry; Analytics); Information Architecture (Inhaltsstruktur; Navigationssystem; Sitemap); Interaction Design (User Flows; Wireframes; Prototypen; Micro-Interactions); Usability Testing (moderiert/unmoderiert; Heuristische Evaluation; A/B-Testing); Visual Design (UI-Design; Typografie; Farbe; Komponenten-Design als Grenzbereich zu UI-Design). UX als Geschäftsstrategie: Forrester Research (Cambridge; MA): $1 in UX-Investition = $100 Return; NNGroup: gute UX erhöht Conversion um durchschnittlich 83%; McKinsey & Company (2018-Studie «The Business Value of Design»): Unternehmen im obersten Design-Quartil haben 32% höheres Umsatzwachstum und 56% höheren Total-Shareholder-Return als Industrie-Durchschnitt.

Erläuterung

Donald A. Norman (UC San Diego; La Jolla; CA; dann Apple Computer; Cupertino; CA; dann Nielsen Norman Group; Fremont; CA; «The Design of Everyday Things», Basic Books, 1988; «Emotional Design», Basic Books, 2004) prägte den Begriff «User Experience» in seiner modernen Verwendung: Norman trug 1993 den Titel «User Experience Architect» bei Apple (später Vice President; Apple; Cupertino; CA) und beschrieb den Begriff als intentional breiter als «Usability» oder «Human Interface»: «I invented the term because I thought Human Interface and Usability were too narrow. I wanted to cover all aspects of the person's experience with the system including industrial design graphics, the interface, the physical interaction and the manual.» Normans «The Design of Everyday Things» (1988; überarbeitete Neuauflage 2013) wurde zur Pflichtlektüre für UX-Designer: Norman beschrieb Affordances, Signifiers, Feedback, Constraints und Mapping als fundamentale Design-Prinzipien für gute Nutzererlebnisse; das Buch verkaufte über 1 Million Exemplare und wird bis heute in HCI-Studiengängen weltweit eingesetzt. Jesse James Garrett (San Francisco; CA; «The Elements of User Experience», New Riders, 2000/2011; Mitgründer von Adaptive Path; San Francisco; CA) systematisierte UX-Design in fünf Schichten (Strategy → Scope → Structure → Skeleton → Surface): Strategy: Was will das Unternehmen erreichen? Was brauchen Nutzer?; Scope: Welche Funktionen und Inhalte werden implementiert?; Structure: Wie werden Informationen organisiert? (Information Architecture; Interaction Design); Skeleton: Wie wird Information präsentiert? (Interface Design; Navigation; Information Design); Surface: Wie sieht es aus? (Visual Design); Garretts visuelles Diagramm (2000; Creative Commons; CC-BY-SA) wurde eines der meistgeteilten Konzeptbilder im UX-Design. Peter Morville (Semantic Studios; Ann Arbor; MI; «Information Architecture for the World Wide Web» mit Louis Rosenfeld; O'Reilly 1998; «Ambient Findability», O'Reilly, 2005) entwickelte das «User Experience Honeycomb» (2004; semanticstudios.com): sieben Dimensionen guter UX als Wabendiagramm: Useful (erfüllt echtes Bedürfnis); Usable (einfach zu bedienen); Desirable (ästhetisch attraktiv; Emotion); Findable (navigierbar und auffindbar); Accessible (für alle Nutzer zugänglich); Credible (vertrauenswürdig; glaubwürdig); Valuable (liefert Wert für Nutzer und Unternehmen); das Honeycomb kommunizierte dass UX mehr als Usability ist und etablierte sich als Stakeholder-Kommunikations-Framework. Das Design Council (London; UK; 1944 gegründet als British Council for Industrial Design) entwickelte 2005 den Double-Diamond-Prozess als Visualisierung des Design-Thinking-Ansatzes: Diamond 1 – Discovery/Define: Problem verstehen (Divergenz); Problem eingrenzen (Konvergenz); Diamond 2 – Develop/Deliver: Lösungen entwickeln (Divergenz); Lösung umsetzen (Konvergenz); der Double Diamond wurde zum Standard-Prozessmodell für UX-Design-Teams weltweit. Alan Cooper (Cooper; San Francisco; CA; «The Inmates Are Running the Asylum», Sams, 1999; Erfinder von Visual Basic) und Bill Moggridge (IDEO; Palo Alto; CA; «Designing Interactions», MIT Press, 2007; Gründer von IDEO; Erfinder des Laptop-Designs) trugen zur Professionalisierung von Interaction Design und UX als eigenständige Designdisziplin bei; Cooper's Persona-Methodik und Moggridge's IDEO-Design-Thinking-Prozess wurden zu Industrie-Standards.

UX-Design-Prozess und Forschungsmethoden

UX-Reife und Organisationskultur

Praxistipp: UX-Design scheitert am häufigsten nicht an fehlenden Methoden-Kenntnissen sondern daran dass Stakeholder keinen ROI sehen. Nutzen Sie das HEART-Framework um vor einem UX-Projekt Baseline-Metriken zu erheben: Was ist die aktuelle Task-Completion-Rate für den Checkout? Was ist der aktuelle NPS? Was ist die Retention nach 30 Tagen? Dann kommunizieren Sie Ihre Hypothesen in Geschäfts-Metriken: «Wenn wir die Checkout-UX verbessern erwarten wir 10% höhere Completion-Rate → bei 10.000 monatlichen Checkout-Starts und €50 Durchschnittswert = +€50.000/Monat». Diese Verbindung zwischen UX-Arbeit und Geschäftswert ist der effektivste Weg um UX-Budget zu rechtfertigen und UX-Kultur in Organisationen aufzubauen.