Marketing Glossar

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Wireframe

Definition: Ein Wireframe (englisch für „Drahtrahmen") ist eine schematische, meist schwarz-weisse visuelle Darstellung des Layouts und der Struktur einer Webseite, App-Ansicht oder eines digitalen Produkts — ohne ausgearbeitete visuelle Designelemente wie Farben, Bilder oder Schriftgestaltung. Wireframes zeigen die Anordnung von Inhaltsblöcken, Navigationselementen, Formularen und Funktionsbereichen und definieren die informationsarchitektonische Grundstruktur. Sie sind das zentrale Kommunikationsmittel zwischen UX-Designern, Produktmanagern, Stakeholdern und Entwicklern in der Konzeptionsphase eines digitalen Produkts und ermöglichen strukturelle Diskussionen und Iterationen, bevor Aufwand in visuelles Design oder Entwicklung investiert wird.

Erläuterung

Die Geschichte des Wireframings als Methode ist eng mit dem Aufstieg der nutzerzentrierten Softwareentwicklung in den 1990er Jahren verbunden. Bill Moggridge (1943–2012), Mitgründer der Designagentur IDEO (Palo Alto, Kalifornien, gegründet 1991) und Pionier des Interaction Designs, beschrieb in „Designing Interactions" (MIT Press, Cambridge, Massachusetts, 2007) die frühen Skizzen- und Schema-Techniken, die Designteams nutzten, um Bildschirmstrukturen zu planen, lange bevor Prototyping-Tools existierten. Jesse James Garrett, Informationsarchitekt und Mitgründer von Adaptive Path (San Francisco, 2001), systematisierte in „The Elements of User Experience" (New Riders, Berkeley, Kalifornien, 2002) das Konzept der Strukturebene — genau jener Designphase, in der Wireframes entstehen. Er unterschied explizit zwischen der konzeptuellen Ebene (was das Produkt tut), der Strukturebene (wie es organisiert ist) und der Oberflächenebene (wie es aussieht). Wireframes sind primär Artefakte der Strukturebene. Steve Krug, UX-Autor und Berater, beschrieb in „Don't Make Me Think" (New Riders, Berkeley, Kalifornien, 2000, 3. Auflage 2014) anschaulich, wie frühe strukturelle Skizzen Usability-Probleme aufdecken können, die im späteren visuellen Design kaum noch sichtbar sind. Forschungen des Nielsen Norman Group-Teams (Fremont, Kalifornien, gegründet 1998 von Jakob Nielsen und Don Norman) zeigen, dass Usability-Tests mit Low-Fidelity-Wireframes ähnlich viele kritische Usability-Probleme aufdecken wie Tests mit fertigen Prototypen — bei einem Bruchteil des Aufwands. Die Unterscheidung zwischen Low- und High-Fidelity-Wireframes wurde in der UX-Community insbesondere durch die Veröffentlichungen von Todd Zaki Warfel, Autor von „Prototyping: A Practitioner's Guide" (Rosenfeld Media, Brooklyn, New York, 2009), geprägt und standardisiert. Heute werden Wireframes hauptsächlich in spezialisierten Tools erstellt, wobei Figma (Figma Inc., San Francisco, gegründet 2012, Börsengang angekündigt 2024) zum dominanten Werkzeug für den gesamten UX-Prozess — von Wireframes bis zu fertigen Designs — geworden ist.

Fidelity-Stufen von Wireframes

Wireframe-Tools und Workflows

Wireframes im UX-Prozess

Praxistipp: Beginnen Sie jedes neue Screen-Design mit einem 15-minütigen Lo-Fi-Wireframing-Sketch auf Papier oder in Balsamiq — bevor Sie Figma öffnen. Diese Phase zwingt zur Klärung der wirklich wichtigen Fragen: Was ist der primäre Nutzerfluss? Was ist das wichtigste Element auf dieser Seite? Welche Inhalte sind essenziell, welche optional? Nutzen Sie dann echte (keine Lorem-ipsum-)Texte bereits im Wireframe: Zu kurze Platzhalter verschleiern häufig kritische Layoutprobleme, die bei realen Texten auftreten. Annotieren Sie jedes Wireframe mit mindestens einem Satz zur Nutzerabsicht dieser Seite — das schärft den Fokus und macht Wireframes deutlich nützlicher für Stakeholder-Diskussionen.