Marketing Glossar

2.413 Fachbegriffe aus 22 Bereichen des Online Marketings

Video Reichweite

Definition: Die Video Reichweite gibt an, wie viele einzigartige Nutzer ein Video tatsächlich gesehen oder zumindest einen Kontakt mit ihm gehabt haben, und unterscheidet sich damit von den Impressionen, die jeden Sichtkontakt zählen, auch wenn derselbe Nutzer das Video mehrfach angezeigt bekommen hat. Sie ist eine grundlegende Kennzahl für Awareness-Kampagnen im Video Marketing und zeigt, wie weit ein Videoinhalt in die Zielgruppe vorgedrungen ist – also wie viele verschiedene Menschen die Botschaft tatsächlich erreicht hat. Die Video Reichweite lässt sich in organische und bezahlte Reichweite unterscheiden: Organische Reichweite entsteht durch den Algorithmus einer Plattform, der das Video in Feeds, Suchergebnissen und Empfehlungsleisten ausliefert, ohne dass dafür Werbebudget eingesetzt wird. Bezahlte Reichweite hingegen wird durch Werbeinvestments gesteuert und ermöglicht eine präzise Zielgruppenansprache nach demografischen, geografischen, verhaltensbasierten und interessenbasierten Merkmalen. Für Unternehmen ist die Unterscheidung zwischen Brutto- und Netttoreichweite relevant: Die Bruttoreichweite summiert alle Kontakte einschließlich Mehrfachkontakten, während die Nettoreichweite nur die Anzahl eindeutiger Personen misst. Die Frequenz – die durchschnittliche Anzahl der Kontakte pro Person – ist das Verhältnis beider Werte und wichtig für die Planung der Kontaktdosis: Zu wenig Kontakte erzielen keine nachhaltige Wirkung, zu viele Kontakte wirken als Spam wahrgenommen. Im digitalen Video Marketing ist die Messung der tatsächlichen Unique Reach komplex, da dieselbe Person auf verschiedenen Geräten und Plattformen zählen kann und plattformübergreifende Daten selten vollständig vorhanden sind.

Erläuterung

Die organische Reichweite von Unternehmens- und Markenprofilen auf sozialen Netzwerken hat sich in den letzten Jahren erheblich verringert. Auf Facebook liegt die organische Reichweite für Unternehmensseiten häufig nur noch bei zwei bis fünf Prozent der Follower – ein Rückgang, den Meta durch algorithmische Änderungen zugunsten von Freundes- und Familieninhalten und paid Content herbeigeführt hat. Instagram, LinkedIn und YouTube zeigen ähnliche Tendenzen, auch wenn die organische Reichweite für Video-Content generell höher ist als für statische Beiträge, da die Plattformen Video priorisieren. TikTok bildet eine wichtige Ausnahme: Der TikTok-Algorithmus verteilt Videos auch an Nutzer ohne bestehendes Kanal-Abonnement, was organische Reichweiten weit über die eigene Follower-Basis hinaus ermöglicht und die Plattform besonders attraktiv für den Aufbau neuer Zielgruppen macht.

Für bezahlte Reichweitenkampagnen mit Video empfehlen sich kurze, aufmerksamkeitsstarke Formate, da diese zu günstigen TKP-Preisen (Tausend-Kontakt-Preisen) ausgespielt werden können. Der TKP für Video-Ads variiert je nach Plattform, Zielgruppe, Wettbewerb und Saisonalität erheblich. YouTube bietet vergleichsweise günstige TKP-Preise für breite Awareness-Kampagnen, während LinkedIn aufgrund der hohen Qualität der B2B-Zielgruppe deutlich höhere Preise hat, aber für bestimmte Branchen trotzdem einen besseren ROI liefern kann. Eine bewährte Taktik zur kosteneffizienten Reichweitensteigerung ist das „Organic Amplification": Organisch gut performende Videos, also solche mit hoher Engagement Rate und CTR, werden als bezahlte Anzeigen verstärkt. Da diese Videos bereits Beweis für Zielgruppenrelevanz geliefert haben, funktionieren sie als Paid Ads besonders gut.

Organische vs. bezahlte Reichweite im Vergleich

Strategien zur Reichweitensteigerung

Praxistipp: Kombinieren Sie organische und bezahlte Videoreichweite systematisch: Veröffentlichen Sie neue Videos zunächst organisch und beobachten Sie in den ersten 48 Stunden die Performance. Videos mit überdurchschnittlicher Engagement Rate und CTR eignen sich als Paid-Ad-Kandidaten und sollten dann gezielt mit einem Werbebudget verstärkt werden. Setzen Sie für bezahlte Reichweitenkampagnen ein klares Frequenzziel von drei bis fünf Kontakten pro Nutzer, damit Ihre Botschaft nachhaltige Wirkung erzielt, ohne als Spam wahrgenommen zu werden.