Video Reichweite
Definition: Die Video Reichweite gibt an, wie viele einzigartige Nutzer ein Video tatsächlich gesehen oder zumindest einen Kontakt mit ihm gehabt haben, und unterscheidet sich damit von den Impressionen, die jeden Sichtkontakt zählen, auch wenn derselbe Nutzer das Video mehrfach angezeigt bekommen hat. Sie ist eine grundlegende Kennzahl für Awareness-Kampagnen im Video Marketing und zeigt, wie weit ein Videoinhalt in die Zielgruppe vorgedrungen ist – also wie viele verschiedene Menschen die Botschaft tatsächlich erreicht hat. Die Video Reichweite lässt sich in organische und bezahlte Reichweite unterscheiden: Organische Reichweite entsteht durch den Algorithmus einer Plattform, der das Video in Feeds, Suchergebnissen und Empfehlungsleisten ausliefert, ohne dass dafür Werbebudget eingesetzt wird. Bezahlte Reichweite hingegen wird durch Werbeinvestments gesteuert und ermöglicht eine präzise Zielgruppenansprache nach demografischen, geografischen, verhaltensbasierten und interessenbasierten Merkmalen. Für Unternehmen ist die Unterscheidung zwischen Brutto- und Netttoreichweite relevant: Die Bruttoreichweite summiert alle Kontakte einschließlich Mehrfachkontakten, während die Nettoreichweite nur die Anzahl eindeutiger Personen misst. Die Frequenz – die durchschnittliche Anzahl der Kontakte pro Person – ist das Verhältnis beider Werte und wichtig für die Planung der Kontaktdosis: Zu wenig Kontakte erzielen keine nachhaltige Wirkung, zu viele Kontakte wirken als Spam wahrgenommen. Im digitalen Video Marketing ist die Messung der tatsächlichen Unique Reach komplex, da dieselbe Person auf verschiedenen Geräten und Plattformen zählen kann und plattformübergreifende Daten selten vollständig vorhanden sind.
Erläuterung
Die organische Reichweite von Unternehmens- und Markenprofilen auf sozialen Netzwerken hat sich in den letzten Jahren erheblich verringert. Auf Facebook liegt die organische Reichweite für Unternehmensseiten häufig nur noch bei zwei bis fünf Prozent der Follower – ein Rückgang, den Meta durch algorithmische Änderungen zugunsten von Freundes- und Familieninhalten und paid Content herbeigeführt hat. Instagram, LinkedIn und YouTube zeigen ähnliche Tendenzen, auch wenn die organische Reichweite für Video-Content generell höher ist als für statische Beiträge, da die Plattformen Video priorisieren. TikTok bildet eine wichtige Ausnahme: Der TikTok-Algorithmus verteilt Videos auch an Nutzer ohne bestehendes Kanal-Abonnement, was organische Reichweiten weit über die eigene Follower-Basis hinaus ermöglicht und die Plattform besonders attraktiv für den Aufbau neuer Zielgruppen macht.
Für bezahlte Reichweitenkampagnen mit Video empfehlen sich kurze, aufmerksamkeitsstarke Formate, da diese zu günstigen TKP-Preisen (Tausend-Kontakt-Preisen) ausgespielt werden können. Der TKP für Video-Ads variiert je nach Plattform, Zielgruppe, Wettbewerb und Saisonalität erheblich. YouTube bietet vergleichsweise günstige TKP-Preise für breite Awareness-Kampagnen, während LinkedIn aufgrund der hohen Qualität der B2B-Zielgruppe deutlich höhere Preise hat, aber für bestimmte Branchen trotzdem einen besseren ROI liefern kann. Eine bewährte Taktik zur kosteneffizienten Reichweitensteigerung ist das „Organic Amplification": Organisch gut performende Videos, also solche mit hoher Engagement Rate und CTR, werden als bezahlte Anzeigen verstärkt. Da diese Videos bereits Beweis für Zielgruppenrelevanz geliefert haben, funktionieren sie als Paid Ads besonders gut.
Organische vs. bezahlte Reichweite im Vergleich
- Organische Reichweite: Entsteht durch algorithmische Auslieferung ohne Werbebudget; abhängig von Content-Qualität, Engagement-Rate und Plattform-Algorithmus; langfristig aufzubauen, aber nachhaltig und kosteneffizient; sinkt auf den meisten Plattformen seit Jahren zugunsten bezahlter Platzierungen.
- Bezahlte Reichweite: Durch Werbebudget gesteuert und sofort skalierbar; ermöglicht präzises Targeting nach Demografie, Interessen, Verhalten und Custom Audiences; endet mit dem Budget; planbar und messbar mit klarem CPM oder CPV-Modell.
- Earned Reach: Organisch generierte Reichweite durch Shares, Weiterleitungen und Word-of-Mouth; entsteht, wenn Inhalte so wertvoll oder unterhaltsam sind, dass Nutzer sie aktiv in ihren Netzwerken teilen; das schwierigste, aber wirkungsvollste Reichweitenwachstum.
- Owned Reach: Reichweite über eigene Kanäle wie Newsletter, Unternehmenswebsite oder eigene App; vollständig kontrollierbar und unabhängig von Plattform-Algorithmen; aufzubauen über E-Mail-Liste und Community-Management.
Strategien zur Reichweitensteigerung
- Plattform-spezifische Formatoptimierung: Vertikale Videos für TikTok und Instagram Reels, horizontale für YouTube und LinkedIn; plattformangepasste Formate werden von Algorithmen bevorzugt ausgeliefert und erzielen bessere organische Reichweite.
- Regelmäßige Veröffentlichungsfrequenz: Konsistente Upload-Frequenz signalisiert Plattform-Algorithmen Verlässlichkeit und erhöht die Chance auf regelmäßige algorithmische Förderung; besonders wichtig auf YouTube und TikTok.
- Kooperation mit Influencern: Zusammenarbeit mit Video-Creatorn erschließt deren Reichweite und Zielgruppe ohne eigenen Kanal-Aufbau; besonders effektiv für schnelle Reichweitensteigerung in spezifischen Nischen.
- Cross-Promotion und Community-Engagement: Videos über alle eigenen Kanäle teilen, Community gezielt einbinden und zum Teilen ermutigen; Shares von Followern multiplizieren die organische Reichweite über die eigene Audience hinaus.
- Organic Amplification: Organisch gut performende Videos als Paid Ads einsetzen; der bereits bewiesene Content funktioniert als Werbung besser als neu produzierte Ad-spezifische Videos und reduziert das CPM.