App + Web Property
Definition: App + Web Property war der ursprüngliche Begriff für den neuen Google-Analytics-Property-Typ, den Google im Jahr 2019 als Beta einführte und der später, im Oktober 2020, offiziell als Google Analytics 4 (GA4) umbenannt wurde. Der Begriff "App + Web" beschreibt das zentrale Architekturkonzept dieser neuen Analytics-Generation: die Fähigkeit, Daten aus einer Website (Web) und einer oder mehreren mobilen Apps (iOS und/oder Android) in einer einzigen Analytics-Property zusammenzuführen und gemeinsam zu analysieren. In Universal Analytics (UA) war dies nicht möglich – Web- und App-Tracking erforderten separate Properties und separate Tracking-Implementierungen, was eine kanalübergreifende Nutzeranalyse erheblich erschwerte oder gänzlich verhinderte. Das App + Web-Konzept löst dieses Problem durch die Einführung von Datenströmen (Data Streams): Innerhalb einer einzigen GA4-Property können separate Data Streams für die Website, für eine iOS-App und für eine Android-App angelegt werden, die alle Daten in ein gemeinsames Analytics-Modell einspeisen. Nutzer, die sowohl die Website als auch die App nutzen, können – sofern eine User-ID implementiert ist oder Google Signals aktiv ist – als eine einzige Person erkannt und ihre gesamte Aktivität kanalübergreifend analysiert werden. Das App + Web-Konzept ist damit die technische Grundlage für echtes Cross-Device- und Cross-Platform-Analytics und war ein wesentlicher Treiber für die Entwicklung von GA4.
Erläuterung
Die Einführung des App + Web Property-Konzepts im Jahr 2019 markierte einen fundamentalen Paradigmenwechsel in der Google-Analytics-Produktstrategie. Google reagierte damit auf die sich verändernde Nutzungsrealität: Laut einer Studie von Comscore aus dem Jahr 2019 fanden bereits damals mehr als die Hälfte aller digitalen Interaktionen über mobile Apps statt, und viele Nutzer wechselten regelmäßig zwischen Web und App desselben Unternehmens. Universal Analytics war für diese Realität konzeptionell nicht geeignet, da es auf einem Sitzungs- und Cookie-zentrierten Modell aufbaute, das für native Apps strukturell ungeeignet ist. App + Web (heute GA4) implementiert stattdessen ein ereignisbasiertes Datenmodell, das plattformunabhängig funktioniert: Sowohl ein Web-Pageview als auch eine App-Screen-View werden als Ereignisse (Events) mit Parametern modelliert, was eine einheitliche Datenstruktur über alle Plattformen hinweg gewährleistet. Technisch basiert der Web-Teil des App + Web Property auf gtag.js und dem Google Tag Manager, während der App-Teil auf Firebase Analytics (für iOS und Android) aufbaut – die Zusammenführung beider in einer Property war die wesentliche technische Leistung des neuen Konzepts. Die Namensgebung "App + Web" wurde im Zuge der offiziellen GA4-Umbenennung aufgegeben, das Konzept der Data Streams und der plattformübergreifenden Property ist jedoch das Kernelement von GA4 geblieben. Heute begegnet einem der Begriff "App + Web Property" hauptsächlich in älteren Blogbeiträgen, Dokumentationen aus der Beta-Phase und in Gesprächen mit Analytics-Fachleuten, die die Entwicklungsgeschichte von GA4 kennen.
Data Streams als technische Umsetzung
- Web Data Stream: Entspricht dem klassischen Website-Tracking über gtag.js oder Google Tag Manager. Ein Web Data Stream enthält eine Measurement ID (Format: G-XXXXXXXXXX) und sammelt Daten von einer definierten Website-Domain. Mehrere Web Data Streams in einer Property sind möglich, z. B. für verschiedene Länder-Subdomains.
- iOS Data Stream: Verbindet eine iOS-App via Firebase SDK mit der GA4-Property. Der Data Stream enthält App-spezifische Konfigurationen und ermöglicht das Tracking von App-Screen-Views, In-App-Ereignissen und App-spezifischen Conversions wie In-App-Käufen.
- Android Data Stream: Analog zum iOS Data Stream, verbindet eine Android-App via Firebase SDK. Android und iOS erhalten separate Data Streams, auch wenn sie zur gleichen App-Familie gehören, da die technische SDK-Integration plattformspezifisch ist.
- Gemeinsames Nutzermodell: Alle Data Streams einer Property nutzen dasselbe Nutzer-Erkennungsmodell. Wenn ein angemeldeter Nutzer dieselbe User-ID auf der Website und in der App hat, werden seine Sitzungen in beiden Streams zusammengeführt und ermöglichen echte Cross-Platform-Analysen.
Unterschiede zu Universal Analytics
- Datenmodell: Universal Analytics basiert auf einem Sitzungs- und Pageview-Modell mit Hit-Typen (Pageview, Event, Transaction). GA4 (App + Web) nutzt ein einheitliches Event-Modell, bei dem alle Interaktionen – inklusive Seitenaufrufe – als Events modelliert sind.
- Property-Struktur: In Universal Analytics war eine Property an eine einzige Plattform gebunden. In GA4 kann eine Property durch Data Streams mehrere Plattformen (Web, iOS, Android) gleichzeitig erfassen.
- Nutzer-Identifikation: Universal Analytics nutzte primär den Client-ID-Cookie für die Nutzer-Erkennung, was Cross-Device-Tracking de facto unmöglich machte. GA4 verwendet einen mehrstufigen Ansatz aus User-ID, Google Signals und Device-ID, der Cross-Device-Tracking für eingeloggte Nutzer ermöglicht.
- Firebase-Integration: Die direkte Integration mit Firebase war in Universal Analytics nicht vorhanden und erforderte separate Firebase-Analytics-Properties. In GA4 ist Firebase der Ausgangspunkt für App-Tracking und direkt in das Property-Modell integriert.
Bedeutung für die Analytics-Praxis
- Cross-Device Customer Journey: Für Unternehmen mit sowohl Web- als auch App-Präsenz ermöglicht das App + Web-Konzept erstmals eine vollständige Customer-Journey-Analyse, die Touchpoints auf verschiedenen Geräten und Plattformen zusammenführt.
- Einheitliche Conversion-Messung: Conversions – z. B. ein Kauf – können unabhängig davon gemessen werden, ob sie auf der Website oder in der App stattfinden, da beide Plattformen dasselbe Ereignismodell verwenden.
- Vereinfachte Reporting-Struktur: Anstatt Berichte aus mehreren Properties manuell zu konsolidieren, stehen alle Daten in einer einzigen GA4-Property zur Verfügung, was die Reporting-Komplexität erheblich reduziert.